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	<title>Reformpflege &#187; Ambulant</title>
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	<description>Neue Wege in der Pflege</description>
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		<title>Gefundene Fressen</title>
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		<pubDate>Sat, 31 May 2014 20:52:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Zajac</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Ambulant]]></category>
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		<description><![CDATA[Und natürlich muss man das Folgende nicht lesen. Und natürlich muss man das Folgende auch nicht schreiben. Da es hier schon oft gelesen und geschrieben steht. Weshalb es nicht neu geschrieben wird. Sondern nur konstruiert aus altem Geschriebenen und Gelesenen. Wie aus einem Baukasten zusammengesetzt. Aus alten Wörtern und Sätzen einen nicht neuen Text gebaut, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und natürlich muss man das Folgende nicht lesen. Und natürlich muss man das Folgende auch nicht schreiben. Da es hier schon oft gelesen und geschrieben steht. Weshalb es nicht neu geschrieben wird. Sondern nur konstruiert aus altem Geschriebenen und Gelesenen. Wie aus einem Baukasten zusammengesetzt. Aus alten Wörtern und Sätzen einen nicht neuen Text gebaut, in dem steht, was jeder wissen kann, aber nur die Wenigsten zur Kenntnis nehmen oder im Gedächtnis behalten wollen. Und es lieber vergessen. Vergessen, um sich dann wieder zu empören. Und sich zu gefallen in der Empörung, wenn sie wieder einmal im Fernsehen wackeren Aufklärungsjournalisten dabei zuschauen, wie sie undercover unhaltbare Mißstände in zwei deutschen Pflegeheimen und einem Pflegedienst aufdecken. Abgesehen von der Tatsache, dass es sich bei der Aktion um keine zufällige Stichprobe handelte, denn offenbar wusste man ziemlich genau, wo man suchen musste, verwundert die Tatsache, dass man oder die wackeren Undercover-Journalisten der Pflege etwas unterstellen, was vielleicht sogar die Grundunterstellung der Pflege ist. Man unterstellt ihr, sie sei anders. Man unterstellt ihr, sie sei nicht von dieser Welt. Und hat dann nach Aufdeckung der Mißstände gefälligst überrascht, so ehrlich empört zu sein, dass Pflege eben nicht anders ist, in ihr nicht die besseren Menschen arbeiten, sie vielmehr Teil dieser Welt ist, in welcher es, wie in jeder anderen Branche eben auch schwarze Schafe gibt.</p>
<p>Und?</p>
<p>Interessiert das irgendjemanden?</p>
<p>Vermutlich nicht. Sonst wäre man nicht jedes Mal auf´s Neue so wahnsinnig überrascht. Von der Pflege, die so böse sein kann.</p>
<p>Im Ernst. Was würden Sie machen, wenn Sie ein in die Jahre gekommener Undercover-Journalist wären, der für ein bisschen mehr Einschaltquote bei einem privaten Fernsehsender sorgen soll? Wen würden Sie journalistisch unterwandern? Na, die üblichen Verdächtigen eben. Oder nicht? Also, die Autowerkstätten, von denen bekannt ist, dass sie pfuschen. Die Gebrauchtwagenhändler, die die Tachos zurückdrehen, bevor sie die Karren nach Osteuropa verticken. Die Filialen einer Bulettenbratkette, deren neuer Geschäftsführer schon seit Monaten negative Schlagzeilen machen kann, weil sein verschnarchter Franchisegeber ihn viel zu lange hat gewähren lassen. Die Schlachthöfe, in denen osteuropäische Schlachter mit Werkverträgen für Hungerlöhne schuften, während der Schlachthofbesitzer Millionen in einen Fussballverein steckt. Die Wett-Mafia, die Fussballspiele verschiebt. Die Banker, die schon wieder kräftig zocken, nachdem sie mit Steuermilliarden gerettet werden mussten. Die Journalisten, die Interviews faken und Geschichten erfinden. Die Politiker, die Lobbyinteressen nachgeben und deren Klientel grosszügig mit Wahlgeschenken bedenken, die von zukünftigen Generationen bezahlt werden müssen. Die Pharmafirmen, die ebenso sinnlose wie überteuerte Medikamente auf den Markt bringen. Die Ärzte, die falsch und gefährlich behandeln, aber nie belangt werden. Und, und, und…</p>
<p>Allesamt gefundene Fressen. Wenn man nur weiss, wo man suchen muss, um die schwarzen Schafe stellvertretend für eine ganze Branche an den Pranger stellen zu können.</p>
<p>Wo ist der Erkenntnisgewinn?</p>
<p>Es gibt keinen Erkenntnisgewinn, denn dass es in jeder Branche Menschen gibt, die ihren Job gut und ehrlich machen und andere, die das eben nicht tun, wussten wir schon vorher. So wie wir auch schon vorher wussten, dass es Aufgabe des Staates, der Exekutive und Judikative ist, den schwarzen Schafen aller Branchen das Handwerk zu legen und sie gegebenenfalls einer gerechten Strafe zuzuführen.</p>
<p>Was ist also das Problem?</p>
<p>Das Problem ist die Grundverlogenheit mit der in regelmässigen Abständen immer frisch nach dem letzten Skandal auf Pflege eingedroschen wird. Da ist dann von der Pflegemafia die Rede, von den unhaltbaren Zuständen, von Abzocke und kriminellen Strukturen. Eine Tirade nach der anderen ergiesst sich über Pflege und alle enden mit der Schlussfolgerung, dass die Gesetze dringend geändert werden müssen, damit sich die Zustände bessern. Ganz so, als ob man es nicht besser wüsste oder zumindest besser wissen könnte. Denn die Pflege, die wir heute haben, ist das Produkt der gesetzlichen Vorgaben, nach denen die Legislative Pflege definiert. Und gerade hier liegt der Grundfehler von Pflege, denn die Legislative denkt Pflege in ihren Gesetzen vor allem aus der Perspektive ihrer institutionellen Wohnform.</p>
<p>Fahren Sie dieses Jahr in Urlaub? Wenn ja, wie haben Sie Ihren Urlaubsort ausgesucht? Wahrscheinlich haben Sie Ihren Urlaubsort allein nach der Grösse und Beschaffenheit des dortigen Hotel- oder Pensionszimmers ausgesucht. Deshalb nehmen Sie es auch in Kauf, dass Ihr Hotel oder Ihre Pension im Industriegebiet von Caracas oder in einem Vorort von Damaskus liegt, denn Sie haben ja gar nicht vor, Ihre Unterkunft zu verlassen. Sie wollen einfach nur Ihren gesamten Urlaub im Bett liegen oder auf der Couch sitzen und ansonsten Fernsehgucken oder die Wand anstarren. Gut, ab und zu kommt jemand vorbei, bringt Essen und Trinken und sorgt sich auch sonst um Ihr körperliches Wohlergehen. Versprochen! Ganze 14 Tage lang. Wie? Das ist Ihnen nicht genug? Sie wollen etwas erleben? Sie wollen betreut werden? Erfüllte Urlaubstage in Gemeinschaft? Sie wollen kommunizieren und gestalten? Tja, tut uns leid, aber das sieht das Urlaubsgesetz nicht vor. Vielleicht ist Ihr Reiseleiter so blöde und bietet diese Leistungen kostenfrei an, denn gesetzlich verpflichtet ist er dazu nicht. Und bezahlt wird auch nichts. Nein, wirklich nicht! Aber dafür wohnen Sie doch so schön. Was soll das heissen, das ist Ihnen nicht genug? Sie haben noch andere Bedürfnisse? Jetzt seien sie mal nicht so undankbar, der Gesetzgeber hat das Urlaubsgesetz nämlich gerade überarbeitet. Bald gibt&#8217;s noch weniger Betreuung und mit dem schön Wohnen ist es dann auch vorbei. Kostet dann leider ein bisschen mehr. Aber dafür übernimmt die Urlaubskasse einen grösseren Anteil.</p>
<p>Es ist wie mit allem. Eine Gesellschaft hat immer die Pflege, die auch gewollt ist. Denn es sind die gewählten Politiker, die Pflege definieren und die deshalb auch dafür verantwortlich sind, die Qualität der Pflege, die sie definiert haben, wirksam zu kontrollieren. Wenn es also keine andere Pflege gibt, und die bestehende nicht wirksam kontrolliert wird, dann ist das politisch so gewollt. Und wie allgemein bekannt, unterliegt auch die politische Willensbildung vielfältigen Faktoren. Nur einer davon ist die öffentliche Meinung, die die Politik auffordert, endlich neue Gesetze zu erlassen, die aber letztendlich im Interesse Weniger und wider das bessere Wissen der verantwortlichen Fachpolitiker dafür sorgen werden, dass in der Pflege nach dem gefundenen das grosse Fressen endlich beginnen kann.</p>
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		<title>Und weil das so ist</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Apr 2014 20:06:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Zajac</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Ambulant]]></category>
		<category><![CDATA[Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt Heimleiter und Geschäftsführer in unserer so beschaulichen Branche, die behaupten allen Ernstes, wenn man alle Gesetze, Verordnungen und Richtlinien, die auf unsere beschauliche Branche Anwendung finden müssen, allesamt in handelsübliche Aktenordner heften würde, um sodann diese Aktenordnern mit all den Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien Seite an Seite nebeneinanderzustellen, ergäbe sich eine ununterbrochene Aktenordnerstrecke [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Heimleiter und Geschäftsführer in unserer so beschaulichen Branche, die behaupten allen Ernstes, wenn man alle Gesetze, Verordnungen und Richtlinien, die auf unsere beschauliche Branche Anwendung finden müssen, allesamt in handelsübliche Aktenordner heften würde, um sodann diese Aktenordnern mit all den Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien Seite an Seite nebeneinanderzustellen, ergäbe sich eine ununterbrochene Aktenordnerstrecke von imposanten 60 Metern. So wie es auch Menschen gibt, die nicht müde werden zu behaupten, dass es nur noch eine andere Branche gebe als die unsere so beschauliche, auf die noch mehr Gesetze, Verordngungen und Richtlinien Anwendung finden müssen, und diese sei die Kernenergiebranche. Und es immer auch noch Menschen gibt, die behaupten, würden alle Heimleiter und Geschäftsführer dieser Republik alle Gesetze, Verordnungen und Richtlinien peinlichst genau beachten und einhalten, sie eigentlich gar nichts mehr anderes zu tuen hätten, als zu protokollieren und zu dokumentieren und überprüfen zu lassen, dass sie eben diese Gesetze, Verordnungen und Richtlinien peinlichst genau einhalten und zu sonst überhaupt nicht anderes mehr kämen, weshalb dieselben Menschen, die obiges behaupten, nicht selten auch behaupten, dass sie eigentlich in ihrer beruflichen Praxis immer mit einem Bein im Gefängnis stünden, weil sie aufgrund der unüberschaubar irrwitzigen Menge an Gesetze, Verordnungen und Richtlinien gar nicht wissen könnten, welche und wie viele dieser Gesetze, Verordnungen und Richtlinien sie gerade jetzt, in diesem Moment, in dieser Sekunde wieder gebrochen hätten, da sie einfach nur still da sassen.</p>
<p>Und weil die Einhaltung von Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien natürlich kontrolliert werden muss, damit sie auch eingehalten werden, aber aufgrund der unüberschaubar irrwitzigen Menge an Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien auch die Kontrolleure schon längst den Überblick verloren haben, da sie nicht mehr wissen, was von wem wann und wie zu kontrollieren ist und sie ausserdem behaupten, würden sie die Einhaltung der Gesetze, Verordnungen und Richtlinie peinlichst genau kontrollieren, sie gar nichts anderes mehr zu tuen hätten, als diese Kontrollen zu protokollieren und zu dokumentieren und überprüfen zu lassen, weshalb sie am Ende gar nichts mehr kontrollieren könnten.</p>
<p>Und weil das so ist, also die zu Kontrollierenden nichts mehr einhalten und die die Einhaltung Kontrollierenden nichts mehr kontrollieren können, haben sich schlaue Menschen überlegt, den irrwitzigen Wust an Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien einfach und ziemlich nachhaltig abzuschaffen und zwar nicht indem sie den irrwitzigen Wust einfach mit Augenmass lichten sondern indem sie den Gegenstand der Gesetze, Verordnungen und Richtlinien einfach abschaffen, denn wenn es nichts zu Kontrollierendes mehr gäbe, so dachten sie sich, bräuchte es auch keine Gesetze, Verordnungen, Richtlinien und Kontrollen mehr.</p>
<p>Und weil diese grosse Abschaffung bereits mit den Atomkraftwerken so gut geklappt hat und wir jetzt endlich grünen und billigen Strom ziemlich teuer einkaufen dürfen, haben sich diese schlauen Menschen überlegt, gleich mit den Pflegeheimen weiterzumachen, weil sie hoffen, dass mit der Abschaffung der Pflegeheime auch die Notwendigkeit der Gesetze, Verordnungen, Richtlinien und Kontrollen gleich mit abgeschafft wird.</p>
<p>Und weil das so ist, haben sie sich daran gemacht, ein Gesetz zu basteln, welches ein erster Schritt zur Abschaffung der Pflegeheime sein soll, da es zum einen den irrwitzigen Wust an Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien für die Pflegeheime nur noch verstärkt und zum anderen eine neue Form der stationären Pflege erfindet, für welche dieser irrwitzige Wust an Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien nicht mehr gelten soll.</p>
<p>Und diese neue Form der stationären Pflege nannten sie Pflege-WG.</p>
<p>Und weil das so ist, denken sie jetzt in der Kernenergiebranche darüber nach, ihre Atomkraftwerke besser Windräder zu heissen.</p>
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		<title>100 Millionen für nichts</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Aug 2013 20:33:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Zajac</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Und eigentlich kann auch die reformpflege es nicht mehr hören oder sagen oder schreiben. Da aber dieses Blog eines der ersten Medien war, das die so genannte Pflegetransparenzprüfung kritisierte, also jene absolut sinnfreie Veranstaltung, bei der erwachsene Menschen das Tun anderer erwachsener Menschen prüfen, wobei die prüfenden Menschen als auch die zu prüfenden Menschen während [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und eigentlich kann auch die reform<strong>pflege</strong> es nicht mehr hören oder sagen oder schreiben. Da aber dieses Blog eines der ersten Medien war, das die so genannte Pflegetransparenzprüfung kritisierte, also jene absolut sinnfreie Veranstaltung, bei der erwachsene Menschen das Tun anderer erwachsener Menschen prüfen, wobei die prüfenden Menschen als auch die zu prüfenden Menschen während der Prüfung ganz genau wissen, dass sie gerade einer absolut sinnfreien und sinnlosen Veranstaltung beiwohnen, was ja eigentlich eine ganz spassige Gelegenheit sein könnte, dem pflegerischen Alltagstrott einmal im Jahr zu entfliehen, wenn nur diese sinnfreie Prüfung nicht Stunden dauern und ihre ganze Sinnlosigkeit die Sozialversicherten in Deutschland, also uns, nicht <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article9341375/Experten-verlangen-neue-Kriterien-fuer-Pflege-TUeV.html" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">100 Millionen Euro</span></a> im Jahr kosten würde, hat dieses Blog, welches schon früh und vehement auf diese sinnfreie Sinnlosigkeit hingewiesen hatte und auch die so genannte Pflegetransparenzprüfung immer wieder zum Thema machte, auch die verdammte Pflicht, den Kelch bis zur bitteren Neige zu leeren und auch weiterhin zu berichten aus dem wundersamen Land der Pflegetransparenzprüfung, in dem es seit geraumer Zeit und ausnahmslos nur noch Pflegeheime mit der Pflege-Tüv-Note „sehr gut“ gibt.</p>
<p>Denn es begab sich in diesem Land, dass jenes Gremium, welches für diese paradiesischen Zustände verantwortlich ist und das aus den Vertretern von Pflegekassen und den Vertretern der Träger der Pflegeeinrichtungen besteht, fast drei Jahre mit sich rang, um die so genannte Pflegetransparenzprüfung und deren Noten aussagekräftiger zu machen, da zumindest den Vertretern der Pflegekassen irgendwann dämmerte, wenn auch die Vertreter der Träger der Pflegeeinrichtungen das seltsamerweise gar nicht verstehen konnten, dass sie ihren Versicherten schon irgendeinen Gegenwert für die 100 Millionen Euro anbieten müssen, die sie, die Kassen, für eine absolut sinnlose und sinnfreie Veranstaltung namens Pflegetransparenzprüfung jährlich verbraten. Und weil man sich über Monate und Jahre nicht einigen konnte, musste jetzt von einer internen Schiedsstelle schön transparent hinter verschlossenen Türen ein Schiedsspruch über die notwendigen Veränderungen der so genannten Pflegetransparenzprüfung gesprochen werden.</p>
<p>Es sei der reform<strong>pflege</strong> erspart, auf diesen Schiedsspruch im Einzelnen einzugehen. (Wen das wirklich interessiert, der kann ja <a href="http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/pflege-tuev-prueft-nicht-die-pflege-an-sich-a-916261.html" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">hier</span></a> nachlesen).</p>
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		<title>Gottseibeiuns</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Jul 2013 20:56:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Zajac</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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		<description><![CDATA[Es kreiste der Berg und gebar &#8211; ja was eigentlich? Ein neues Heimgesetz oder ein  Wohnteilhabegesetz, wie es neuerdings heisst, ganz frei nach dem Motto „Wohnst Du noch oder teilhabst Du schon?“ Nein, die baden-württembergische Landesregierung gebar natürlich keine Maus. Wie könnte sie nur. Sie gebar den  „Gesetzentwurf für unterstützende Wohnformen, Teilhabe und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es kreiste der Berg und gebar &#8211; ja was eigentlich? Ein neues Heimgesetz oder ein  Wohnteilhabegesetz, wie es neuerdings heisst, ganz frei nach dem Motto „Wohnst Du noch oder teilhabst Du schon?“ Nein, die baden-württembergische Landesregierung gebar natürlich keine Maus. Wie könnte sie nur. Sie gebar den  „Gesetzentwurf für unterstützende Wohnformen, Teilhabe und Pflege“ (behördendeutsche Abkürzung: WTPG), welches endlich das verstaubte Landesheimgesetz ablösen soll und das derzeit im Anhörungsverfahren verschiedenen Verbänden und Gremien zur Stellungnahme vorliegt und von dem die baden-württembergische Sozialministerin gemeinsam mit ihrem und unserem Ministerpräsidenten per Pressemitteilung verlautbaren lässt: „Wir reagieren damit auf die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen. Anders als früher wollen heute die Menschen, die Hilfe und Begleitung im Alltag oder Pflege benötigen, so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung leben und nicht mehr allein die Wahl haben zwischen Heim oder häuslicher Pflege. Sie wollen vielmehr entsprechend ihrem jeweiligen Hilfebedarf aus einer breiten Palette von Wohn- und Betreuungsformen die für sie beste Alternative auswählen.“</p>
<p>Ist doch schön, wenn Politiker so genau wissen, was Menschen wollen, wiewohl natürlich genau die Grünen schon immer am besten wussten, was Menschen wollen (und sollen), obwohl man sich gerade im vorliegenden Falle kaum der Zeiten entsinnen mag, da Menschen eben nicht so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung verbleiben wollten und stattdessen schon vor der Zeit fröhlich und bei guter Gesundheit in ein Pflegeheim umzogen, weshalb es ja bereits heute einen bunten Strauss an Dienst- und Betreuungsleistungen gibt, die teilweise von der Pflegekasse finanziert werden und die ein möglichst langes Verbleiben von pflegebedürftigen Menschen in deren vertrauter Umgebung garantieren sollen. Und auch neue Wohnformen werden selbst die Grünen wohl kaum erfinden können, denn schon heute steht es jedem pflegebedürftigen Menschen frei, wo und wie und mit wem er wohnen und teilhaben will, sei es in den eigenen vier Wänden, zusammen mit anderen pflegebedürftigen Menschen in einer selbst organisierten Wohngemeinschaft oder in dem pflegepolitischen Gottseibeiuns, eben dem Pflegeheim. Letzteres, die Erfindung von neuen Wohnformen für pflegebedürftige Menschen, ist aber auch nicht Gegenstand des Gesetzentwurfes, Gegenstand des Gesetzentwurfes ist vielmehr die Regelung der staatlichen Aufsichtspflicht über die Wohnformen für pflegebedürftige Menschen als auch die Festsetzung bestimmter Mindeststandards für diese Wohnformen, welche dann noch durch die Formulierung ergänzender Verordnungen verbindlich festgezurrt werden sollen. Und hier differenziert das Sozialministerium zunächst einmal drei Wohnformen für pflegebedürftige Menschen in Baden-Württemberg:</p>
<p>Selbst organisierte ambulant betreute Wohngemeinschaften für pflegebedürftige Menschen, die nicht unter Anwendung des neuen Gesetzes fallen, die nicht durch staatliche Aufsichtsbehörden hinsichtlich ihrer erbrachten Pflegequalität kontrolliert werden und die keinerlei Anforderungen bezüglich der zu erbringenden räumlichen, baulichen und personellen Ausstattung zu erfüllen haben, da sie rechtlich nicht anders behandelt werden als anderweitiger privater Wohnraum.</p>
<p>Ambulant betreute Wohngemeinschaften mit nicht mehr als acht Personen, die nicht selbst organisiert sind sondern durch einen Anbieter verantwortet werden, erhalten im Gesetzentwurf gewissermassen einen Sonderstatus, da sie nur sehr geringe Standards zu erbringen haben, wenn der Vermieter, der gerne auch Anbieter von Pflegedienstleistungen sein kann, seinen Mietern freie Wählbarkeit der Pflegedienstleistungen einräumt, dieses auch glaubhaft nachweist und nicht mehr als zwei dieser Wohngemeinschaften in räumlicher Nähe zueinander betreibt, die auch nicht Bestandteil einer Pflegeeinrichtung sein, noch irgendwelche Büroräume eines Pflegedienstes beherbergen dürfen.</p>
<p>Alle anderen Einrichtungen oder Wohngemeinschaften, die pflegebedürftige Menschen beherbergen und pflegen, fallen unter die volle Anwendung des neuen Heimgesetzes, d. h. werden von einer Regulierungswut und Verordnungsmacht getroffen, die beinahe schon hysterisch-paranoide Züge annimmt, da eigentlich so ziemlich nichts ungeregelt und unverordnet bleibt. Rechtsverordnungen diktieren die bauliche Ausgestaltung der Einrichtungen hinsichtlich Grösse, Barrierefreiheit und Beschaffenheit, fordern Personalschlüssel, Fachkraftquote, Qualifizierungen von Einrichtungsleitung, Pflegedienstleitung und Fachbereichsleitung, dringen auf Durchsetzung der Bewohnerrechte, der Wahl eines Bewohnerbeirates, der Bildung eines Fürsprechergremiums und natürlich soll wieder alles regelmässig durch die zuständigen Behörden, die staatlichen Heimaufsichten, geprüft werden, wobei diesmal auch der Prüfbericht der Heimaufsichten neben den Prüfberichten der Medizinischen Dienste in den Einrichtungen nicht nur &#8220;öffentlich&#8221; ausgehängt sondern auch jedem Neukunden vor Unterzeichnung des Heimvertrages ausgehändigt werden muss, was wiederum und irgendwie nachvollziehbar belegt werden soll.</p>
<p>Demgegenüber erfreuen sich die ambulant betreuten Wohngemeinschaften, welche durch einen Anbieter betrieben werden, die also ebenfalls einen rein kommerziellen Charakter besitzen, auch und gerade wenn sie so genannt frei-gemeinnützig sind, erstaunlicher Freiheiten. Die Qualität des Wohnens hat lediglich „angemessen“ zu sein und unter angemessen versteht das Sozialministerium: „…wenn zumindest für jeweils vier Personen in der Wohnung ein Waschtisch, eine Dusche und ein WC verfügbar sind und die Grundfläche der Wohnung einschliesslich der Küche, des Sanitärbereichs, des Flurs, der Vorräume und Abstellflächen (ohne Kellerräume) (! &#8211; r<strong>p</strong>) für jede Bewohnerin und jeden Bewohner eine Fläche von 25 qm aufweist.“ Keine Rede von Barrierefreiheit, von Aufzügen, Mindestgrösse der Zimmer, Pflegebad, Hygiene etc. Ähnlich anbieterfreundlich zeigt sich der Gesetzentwurf auch hinsichtlich der personellen Ausstattung, hier wird lediglich gefordert, dass die „Beschäftigten“ eine irgendwie persönliche und fachliche Eignung (konkreter wird der Gesetzestext hier nicht) für die zu leistende Tätigkeit haben. Der Anbieter einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft hat demnach nur sicherzustellen, dass „(i)m erforderlichen Umfang eine Präsenzkraft täglich anwesend ist; erforderlich ist (…) in der Regel eine Präsenz von 24 Stunden täglich…“ In diesem Zusammenhang verwundert es dann schon nicht mehr, dass die anbieterbetriebenen Wohngemeinschaften nur in den ersten drei Jahren der „Gründungsphase“ regelmässig durch die Heimaufsichten kontrolliert werden sollen und danach nur noch anlassbezogen, d. h. wenn den Heimaufsichten Mängel bereits und vielleicht bekannt geworden sind.</p>
<p>Es ist ein seltsam Ding dieser Gesetzentwurf, spricht er doch zu Engel und Teufel gleichermassen. An die Teufel der stationären Einrichtungen, denen man offensichtlich alles liederliche zutraut, denen man schutzbedürftige Menschen mit Demenz nicht einfach ausliefern will, weshalb sie unter strengen gesetzlichen Schutz gestellt werden, was zu Folge hat, dass die Teufel der stationären Einrichtungen durch den Gesetzentwurf und den ihn flankierenden Verordnungen unablässlich geschurigelt, gemassregelt, geprüft, kontrolliert und beaufsichtigt werden; und an die Engel der ambulant betreuten Wohngemeinschaften, an jene mit den reinen Herzen, denen Stuttgart offenbar nichts böses zutraut, weshalb man ihnen eine unkontrollierte, billig zu habende und <a href="http://www.reformpflege.de/2012/07/bahrs-pflege-eldorado-ambulant-ist-das-neue-stationar/" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">äusserst lukrative Spielwiese</span></a> eröffnet, auf der so ziemlich alles erlaubt ist. Und das ist nicht nur seltsam, das ist auch noch schizophren, denn wer &#8211; glauben die Herrschaften in Stuttgart &#8211; werden denn die Betreiber und Anbieter der neuen ambulant betreuten Wohngemeinschaften sein? Es werden grösstenteils jene sein, die bereits stationäre Einrichtungen betreiben. Es werden die mutmasslichen Teufel sein, die mittels dieses Gesetzentwurfes, wenn er denn so Gesetz wird, als Engel in ihren Himmel aufsteigen.</p>
<p><strong>Nachtrag: reform</strong>pflege<strong> begrüsst ausdrücklich die Anerkennung von Pflege-WGs als alternative Wohn- und Pflegeform. reform</strong>pflege<strong> stellt aber auch fest, dass der Staat eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen schwächsten Bürgern, den Menschen mit Demenz, hat, die mit zunehmender Demenz ihre Interessen nicht mehr selbst vertreten können. Diesen Menschen den staatlichen Schutz zu entziehen ist nicht nur grob fahrlässig sondern eigentlich ein Skandal, zumal der vorliegende Gesetzestext das Schutzbedürfnis dieser Menschen, so lange sie nur in stationären Einrichtungen leben, wenn auch überzogen aber im Grundsatz sachlich richtig und explizit anerkennt, sich seiner Fürsorgepflicht aber entledigt, sobald sie in eine andere Wohnform umziehen.</strong></p>
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		<title>Die weisse Armee</title>
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		<pubDate>Fri, 31 May 2013 21:14:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Zajac</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In einer arbeitsteiligen Welt ist Organisation alles. Das hat zur Folge, dass nicht alle alles machen sondern alle immer nur eines, das in der Kombination der vielen Einen ein Alles wird. Das ist spätestens nach Erfindung oder Verfeinerung des Fliessbandes durch Henry Ford eine Binsenweisheit. Der Gedanke hinter der Erfindung des Fliessbandes war das Trachten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einer arbeitsteiligen Welt ist Organisation alles. Das hat zur Folge, dass nicht alle alles machen sondern alle immer nur eines, das in der Kombination der vielen Einen ein Alles wird. Das ist spätestens nach Erfindung oder Verfeinerung des Fliessbandes durch Henry Ford eine Binsenweisheit. Der Gedanke hinter der Erfindung des Fliessbandes war das Trachten nach einer grösstmöglichen Effektivität der Arbeit, das heisst eine Steigerung der Produktivität bei gleichzeitiger Senkung der Produktionskosten, wozu es notwendig war, dass der ökonomische Organismus, zu denen sich die vielen Einen zusammenschlossen, funktionierte, auch wenn die vielen Einen nicht wussten, was die vielen Anderen machten. Das mussten sie auch gar nicht wissen, sie mussten sich vielmehr darauf verlassen, dass es die Anderen wussten. Sie mussten sich darauf verlassen, dass die Organisation der vielen Einen so planvoll war, dass der Einen Einziges genau in das Ganze aller Einen passte. Das setzt voraus, dass einige für alle oder für das Ganze dachten und die Einen eben nicht denken oder nur ihr Eines denken mussten, so dass es in das Gedachte aller passte.</p>
<p>Diese Idee des blinden und ungedachten Funktionieren der Einen im Alles des von einigen Gedachten, das dazu führte, dass der Eine sich auf die vielen Anderen verlässt oder von ihnen verlassen wird, da er sich dem grossen Alles entfremdet, ist natürlich nicht vom Himmel gefallen, wie noch nie eine Idee überhaupt und ohne Weiteres vom Himmel gefallen ist, weil eine Idee immer ältere Ideen als Vorgänger hat, die immer nur neu kombiniert werden müssen, um zu neuen Ideen zu werden. Und eine dieser Vorgänger-Ideen geht zurück bis auf Alexander den Grossen oder gar Philipp von Makedonien, der etwas erfand oder entwickelte oder perfektionierte, was man das „Gefecht der verbundenen Waffen“ nennt, also das geplante und koordinierte Gefecht verschiedener spezialisierter Waffengattungen, wie der schweren Kavallerie, der Hopliten-Infanterie, den Bogenschützen aber auch den ersten Pioniereinheiten, die auf dem Schlachtfeld als die unterschiedlichen Glieder eines Armeekörpers koordiniert und taktisch als ein Ganzes agierten, obwohl sie Unterschiedliches taten. Der Erfolg dieses frühen Prinzips ist bekannt, es verlässt sich darauf, dass die Hierarchien klar sind, dass einige für alle und alles denken und jeder Eine sein Eigenes so wissen und ausführen musste, das es in das Gedachte aller passte.</p>
<p>Wenn man nicht nachdenken muss, was zu tun ist, ist man schneller. Und wenn man weiss, was man tut oder das Tun eingeübt und automatisiert ist, arbeitet oder kämpft man perfekter.</p>
<p>Das braucht man, um gute und kostengünstige Autos zu bauen.</p>
<p>Das braucht man, um siegreich zu sein.</p>
<p>Das braucht man, wenn man schnell und perfekt sein muss.</p>
<p>Das braucht man, wenn man schnell und perfekt sein muss und nicht alles alleine machen kann.</p>
<p>Und so wurde dieses Prinzip der militärischen Arbeitsteilung des Gefechts der verbundenen Waffen schon früh und weit vor der Erfindung des Fliessbandes durch zwei bestimmte Branchen kopiert und in deren Sinne verfeinert, die beide zufälligerweise mit verderblichen Waren befasst sind, die eine in der unmittelbaren Lebensmittelzubereitung und die andere in der Wiederherstellung oder Pflege von Gesundheit. Es ist kein Zufall, dass grosse Küchen und zumal Feinschmeckerküchen organisiert sind wie kleine Armeen. Diese <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCchenbrigade" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">Küchenbrigaden</span></a> müssen perfekt und schnell zusammenarbeiten, sie stehen unter hohem Geschwindigkeits- und Perfektionsdruck im Zusammenspiel aller Spezialisten in der Suppen-, Gemüse-, Saucen-, Gemüse- und Beilagenzubereitung der einzelnen Posten des Potagers, des Sauciers, des Légumiers und des Entremetiers, um nur einige der kochenden Spezialisten zu nennen, die in strenger und klarer Hierarchie untereinander stehen, an deren Spitze der Chef de Cuisine wacht zusammen mit seinem Stab, dem Sous-Chef, seinem Stellvertreter, und den einzelnen Leitern eines Postens, die jeweils den Rang eines Chef de Partie bekleiden. Gute Küche arbeitet schnell und präzise und je erfahrener die einzelnen Posten besetzt sind, je routinierter, raffinierter und perfekter sie miteinander als ein Ganzes agieren, das vom Küchenstab und dessen Chef gedacht und geplant worden ist, desto kürzer wartet und desto besser isst der Gast.</p>
<p>Noch augenscheinlicher wird die militärische Arbeitsteilung bei der Betrachtung des medizinisch-pflegerischen Komplexes, der sein Schlachtfeld, das Krankenhaus, gewissermassen als eine weisse Armee betritt. An ihrer Spitze findet sich die medizinische Generalität, die Chefärzte mit den leitenden Oberärzten, welche den einzelnen spezialisierten Abteilungen vorstehen, gefolgt von den Stations- und Assistenzärzten, die wiederum die einzelnen Kompanien, die Stationen führen und somit das eigentliche Offizierskorps der weissen Armee nach unten hin abgrenzen. Bis 2004 kannte auch diese Armee noch den Posten des Arztes im Praktikum, der zur Erlangung seiner Approbation ein 18monatiges Praktikum absolvieren musste und deshalb durchaus als Offiziersanwärter oder als eine Art Oberfähnrich der weissen Armee betrachtet werden konnte. Unter dem Offizierskorps der Ärzte dekliniert der medizinisch-pflegerische Komplex die Ränge der Unteroffiziere, an ihrer Spitze stehen die Pflegedienstleitungen oder auch die Hauptfeldwebel, welche den Offizieren unterstehen, aber ihrerseits die Frauschaftsgrade der eigentlichen Truppe anführen. Es folgen den Hauptfeldwebeln die Unteroffiziere, die Stations- oder Schichtleitungen des Pflegedienstes, sodann die Dienstgrade der Frauschaften, die einfachen Pflegefachkräfte, nur weisungsbefugt gegenüber den dienstjüngeren Gefreiten und den einfacheren Grenadieren oder Schützen, den Pflegehelfern der Stationen. Daneben kennt die weisse Armee selbstredend eine Menge von Spezialeinheiten, die unter anderem der Aufklärung und Diagnostik dienen, die Laborärzte, aber auch die Pioniereinheiten der Apparatemedizin oder der Radiologie, ebenso wie die Spezialisten der Anästhesie oder der Intensivpflege, um nur einige dieser spezialisierten Einheiten zu nennen.</p>
<p>Diese Organisationsform der weissen Armee ist historisch gewachsen und sie ist so gewachsen, weil man meinte, dass sie notwendig sei, um die Aufgaben, die ein Krankenhaus zu erledigen hat, möglichst schnell und präzise zu erledigen, da die Gegner der weissen Armee diese vor immer komplexere Aufgaben stellten, die keine Langsamkeit oder Schlampigkeit duldeten, weshalb es notwendig wurde, dass nicht alle alles machen sondern einer immer nur eines, das in das Alles des von einigen planvoll gedachten sinnvoll und rechtzeitig eingefügt werden muss, um den Gegner möglichst schnell und präzise mit den Mitteln der verbundenen Waffen zu schlagen. Und jetzt könnte man sich natürlich fragen, was eigentlich mit einer Organisation geschieht, die in ihrer eigenen Entwicklungsgeschichte über Jahrhunderte hinweg so strukturiert worden ist, dass sie ihre eigenen Funktionen wie in einer Armee differenziert und automatisiert hat, wenn ihre Zielstellung oder angestammte Vorgehensweise von aussen durch vollkommen sachfremde Zwänge verändert wird, wenn beispielsweise ein neues Vergütungssystem eingeführt würde, das nach speziellen Pauschalen vergütet, wonach bestimmte Behandlungsmethoden aus dem Arsenal dieser Armee lukrativer sind als andere oder bestimmte Leistungen wie beispielsweise die der Pflege gar nicht mehr gesondert vergütet würden, ob es dann nicht zwangsläufig wäre, dass <a href="http://www.cicero.de/kapital/zehn-jahre-krankenhaus-reform-drg-fallpauschalen-dr-oeconomicus-am-op-tisch/53983" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">bestimmte Operationen gehäuft und völlig unnötig vorgenommen und die betroffenen Patienten im Anschluss blutig entlassen würden</span></a>, ebenso wie man sich vielleicht auch fragen könnte, was wohl in deutschen Küchenbrigaden geschehen würde, wenn man ihnen anböte, ein Gericht nicht mehr nach dem Wert der Zutaten und dem Grad der handwerklichen Kreativität zu vergüten sondern nur noch nach der Anzahl der in ihm enthaltenen Kalorien.</p>
<p>Vergleicht man die kulinarische Armee mit der weissen, so fällt auf, dass die weisse Armee im Gegensatz zu der kulinarischen noch ein bestimmtes Element des Militärischen in sich birgt, das schon sehr alt ist, und insbesondere in der Armee der Kaiserzeit sehr ausgeprägt war, und das ist die strikte Trennung zwischen dem Offizierskorps auf der einen Seite, das in der Kaiserzeit grösstenteils dem Adel entstammte, und dem Unteroffizierskorps und den Mannschaftsrängen auf der anderen Seite, deren Vertretern es völlig unmöglich war, bis in die Offiziersränge aufzusteigen. Die Unmöglichkeit des Aufstieges ist ein altes Phänomen, das auch schon in den Landsknechthaufen des 30jährigen Krieges zu finden war, und das von dem Zeitgenossen Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen in seinem „Simplicissimus“ anhand des Ständebaums allegorisch beschrieben worden ist:</p>
<p>„Über diesen wies der Stamm des Baumes einen Abschnitt oder Absatz auf, ein glattes Stück ohne Äste, das mit eigenartigen Mitteln und einer seltsamen Seife aus Missgunst geschmiert war, so dass kein Mensch hinaufklettern konnte, so viel Mut, Geschicklichkeit oder Wissen er auch mitbringen mochte und sosehr er sich bemühte, es sei denn, er war von Adel. Denn dieses Stück war glatter poliert als eine Säule von Marmor oder ein stählerner Spiegel.“ *</p>
<p>Pflegedienste in Pflegeheimen, also in Einrichtungen, deren Bewohner durch niedergelassene Hausärzte eigener Wahl ärztlich betreut werden, sind &#8211; wenn man so will &#8211; halbe weisse Armeen. Der ärztlichen Generalität und der medizinischen Offiziere beraubt, führt eine Pflegedienstleitung die gesamte Truppe und die Stations- oder Schichtleitungen die einzelnen Kompanien der Wohnbereiche. Das bedingt ausserordentlich flache Hierarchien, die wenig Aufstiegsmöglichkeiten oder Karriereperspektiven eröffnen, was neben den familienunfreundlichen Arbeitszeiten mit ein Grund dafür ist, dass die Zahl der Auszubildenden in letzter Zeit zwar gestiegen ist, aber kaum eine der Ausgebildeten länger in dem Beruf verbleibt. Die Ausbildung in der Pflege wird deshalb mehr und mehr zum Durchlauferhitzer für weiterführende Ausbildungen oder Studiengänge wie der Pflegewissenschaft oder des Pflegemanagements oder der Pflegepädagogik, deren Studentinnen denen, die die eigentliche Arbeit machen, später einmal sagen sollen, wie man sie richtig oder besser macht. So eine Art McKinsey für Pflegeberufe, nur wird niemand die Masse an Pflegemanagern, Pflegewissenschaftlern oder Pflegewirten wirklich brauchen können, da die einschlägigen Stellen an den evangelischen und katholischen Hochschulen rar gesät sind, ebenso wie bei den Medizinischen Diensten der Krankenkassen. Demgegenüber klagt die Pflege über massive Nachwuchssorgen. Da verwundert es schon, dass im Grunde sinnlose Karriereperspektiven erfunden werden, indem man der Pflege sachfremde Fakultäten der Wirtschaftslehre, Sozialwissenschaft und Pädagogik öffnet, die den Einen beinahe schon krampfhaft ein Anderes lehren, während ihre eigentlich angestammte Fakultät, jene der Medizin, den Einen das Wissen ihrer Einigen vorenthält und ihnen selbst bei langjähriger Berufserfahrung verschlossen bleibt.</p>
<p>* In der Übersetzung von Bernhard Kaiser.</p>
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		<title>29. Januar 1886</title>
		<link>http://www.reformpflege.de/2013/01/29-januar-1886/</link>
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		<pubDate>Tue, 29 Jan 2013 20:12:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Zajac</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Ambulant]]></category>

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		<description><![CDATA[Früher waren sie ein alltägliches Bild in den ländlichen Gemeinden, Diakonissen, die in ihrer Tracht, weisser Haube, graues Kleid, sowie mit einem zumeist freudlosen Gesicht ihrem Dienst am Nächsten nachgingen. Diakonissen spielen in der heutigen Häuslichen Krankenpflege so gut wie keine Rolle mehr. Ihre Aufgabe haben Ambulante Pflegedienste oder auch so genannte Diakoniestationen übernommen, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Früher waren sie ein alltägliches Bild in den ländlichen Gemeinden, Diakonissen, die in ihrer Tracht, weisser Haube, graues Kleid, sowie mit einem zumeist freudlosen Gesicht ihrem Dienst am Nächsten nachgingen. Diakonissen spielen in der heutigen Häuslichen Krankenpflege so gut wie keine Rolle mehr. Ihre Aufgabe haben Ambulante Pflegedienste oder auch so genannte Diakoniestationen übernommen, die sich beide durch die Leistungen der Pflegeversicherung finanzieren und deren pflegerischen Dienstleistungen natürlich nicht von Nonnen oder Mönchen erbracht werden sondern von Pflegefachkräften und Pflegehelferinnen, die freilich nicht mehr für Gottes Lohn allein arbeiten sondern &#8211; wer wollte ihnen das verdenken &#8211; für klingende Münze. Und weil nun einmal klingende Münze nicht auf dem Wege zum Patienten sondern allein beim Patienten vor Ort erwirtschaftet werden kann, ist jede Diakoniestation oder jeder Ambulante Pflegedienst mehr als nur erpicht darauf, dass die lieben Pflegenden möglichst wenig Zeit auf den Wegen verplempern und möglichst viel Zeit beim Patienten verbringen. Und genau das ist der Grund, warum die lieben Pflegenden von heute nicht mehr zu Fuss gehen, oder das Pferd oder den Omnibus nehmen, um zu ihren Patienten zu gelangen sondern eben das Auto. Und da sollte man dann meinen, dass dieses moderne Fortbewegungsmittel, das Automobil, auf den Tag genau 127 Jahre nachdem Carl Benz seinen Motorwagen zum Patent angemeldet hat, mittlerweile so weit ausgereift ist, dass man diesen Text eigentlich gar nicht zu schreiben und noch viel weniger zu lesen braucht. Das Gegenteil ist aber leider der Fall, denn die zeitgenössischen Autos sind offenbar weit entfernt davon, ausgereift zu sein &#8211; schlimmer noch, sie werden in der letzten Zeit immer liedriger. Sicher, die Autos sind in den letzten Jahren auch immer komfortabler geworden, bieten immer komplexere Funktionen, da surren Elektromotörchen und wird beim Einlegen des Rückwärtsgangs das Radio leise geschaltet, blinken bunte Lichter, piepsen irgendwelche Summer, wenn man das Anschnallen vergisst oder beim Einparken einem Hindernis zu nahe kommt. Das Auto von heute „denkt“ mit, obwohl man es eigentlich gar nicht zu diesem Zweck erworben hat sondern vielmehr dafür, dass es seinen Fahrer möglichst schnell und zuverlässig von A nach B bringt &#8211; und genau das gelingt dem heutigen Automobil nur noch zeitweise. Denn das sind die Erfahrungen eines kleinen Ambulanten Pflegedienstes, der Landpflege, deren Autos jeden Tag ausrücken müssen, im Jahr durchschnittlich jeweils ca. 20.000 km fahren und das beileibe nicht nur auf Kurzstrecken, da die Landpflege, wie der Name schon sagt, ein ländlicher Pflegedienst ist, der auch Gemeinden pflegerisch mitversorgt, die eine Bevölkerungsdichte von lediglich 78 Einwohner auf den Quadratkilometer aufweisen, was es natürlich erforderlich macht, auch längere Strecken zu fahren, die ausreichen sollten, die Motoren der Autos zuverlässig zu erwärmen.</p>
<p>Denn das wird ja immer behauptet von Seiten der Industrie, dass nicht die Autos falsch konstruiert seien, wenn sie zuverlässig nach spätestens zwei Jahren immer reparaturanfälliger werden, immer öfter kaputtgehen, sondern dass man die Autos falsch bewege, dass die vielen Kurzstrecken und die vielen Kaltstarts die Motoren zuverlässig ruinieren würden. Aber in diesem Zusammenhang können wir die Industrie beruhigen, denn es sind nicht wir, die die Motoren ruinieren, es ist die Elektronik, die immer öfter dafür verantwortlich ist, dass an und für sich gesunde Motoren zunehmend ihren Dienst versagen. Ein markenübergreifendes Phänomen, das sowohl bei so genannten Premiummarken wie Mini zu finden ist, aber auch bei preisgünstigeren Kleinwagen wie Volkswagen und Fiat &#8211; spätestens nach zwei Jahren, also nach Ablauf der Gewährleistung, bemächtigt sich eine fremde Macht unserer Autos, gehen beispielsweise die Motoren mitten in der Fahrt aus, surren die Fenster wie von Geisterhand bedient herunter, fällt die Motorleistung auf einmal rapide ab oder läuft die Motorlüftung bei -10 Grad Aussentemperatur auch bei gezogenem Zündschlüssel so lange weiter, bis die Batterie endlich erschöpft ist.</p>
<p>Und wie immer und immer öfter bringen wir dann die Autos in die Werkstatt, wo mittels einer speziellen Software der Fehlerspeicher ausgelesen und nach erfolgter Diagnose das schadhafte Elektronikteil ausgetauscht wird, wozu es manchmal aber auch notwenig ist, das halbe Auto auseinanderzunehmen, was leider nicht immer ganz so billig ist.</p>
<p>Und dann fragt man sich, wo das denn noch alles enden soll.</p>
<p>Und was wohl Carl Benz dazu gesagt hätte..?</p>
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		<title>120 deutsche Minuten</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Nov 2012 19:16:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Zajac</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ambulant]]></category>
		<category><![CDATA[Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>

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		<description><![CDATA[Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Chefredaktion zu viel mit der CSU telefoniert und so gar keine Zeit mehr hat, ihrem eigentlichen Geschäft nachzugehen, denn anders lässt es sich kaum erklären, dass im ZDF offensichtlich die Praktikanten die Macht übernommen haben und sodann frisch, fromm, fröhlich, frei Texte in die Welt absondern, die im Sendung-mit-der-Maus-Stil [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Chefredaktion zu viel mit der CSU telefoniert und so gar keine Zeit mehr hat, ihrem eigentlichen Geschäft nachzugehen, denn anders lässt es sich kaum erklären, dass im ZDF offensichtlich die Praktikanten die Macht übernommen haben und sodann frisch, fromm, fröhlich, frei Texte in die Welt absondern, die im Sendung-mit-der-Maus-Stil Thesen verkünden, bei deren Lektüre man nicht recht weiss, ob man weinen oder lachen oder besser doch einfach nur schreiend davon laufen soll. So steht zum Beispiel zu lesen in einem <a href="http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/auslandsjournal/2942600/25043686/4b4a1c/Lebensabend-in-Osteuropa.html?view=print" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">Text auf der Webseite des ZDF</span></a>, der offenbar einen Sendebericht des Auslandsjournal nacherzählen soll:</p>
<p><em>„Das statistische Bundesamt veröffentlicht Zahlen zur Pflegesituation, die alarmierend sind. Die Pflege in Deutschland ist so teuer, dass viele Senioren und ihre Angehörigen kein Altenheim mehr bezahlen können. Zwar gibt es die staatliche Pflegeversicherung, doch selbst die kann nur für einen Teil der Kosten für die Pflege aufkommen. Das Problem drängt, denn die deutsche Gesellschaft wird immer älter und Jahr für Jahr gibt es mehr Pflegefälle.“</em></p>
<p>Ob das statistische Bundesamt tatsächlich alarmierend verlautbart hat, dass Pflege in Deutschland zu teuer ist, entzieht sich der Kenntnis der reform<strong>pflege</strong>. Das statistische Bundesamt hat aber ganz sicher verlautbart, dass die deutsche Gesellschaft immer älter wird und es deshalb mehr und mehr Pflegefälle gibt. Das tut es nämlich ständig, das interessiert nur keinen und die Politiker schon gar nicht.</p>
<p>Die Autorin fährt fort:</p>
<p><em>„Unterschiedliche Lösungsansätze für das Problem gibt es bereits.“</em></p>
<p>Was sie damit meint, wird im Fortgang des Textes klar, sie thematisiert zuerst die vielen osteuropäischen Haushaltshilfen, die im häuslichen Bereich betreuende Aufgaben übernehmen:</p>
<p><em>„Sie wohnen meist im Haus des Pflegebedürftigen und begleiten diese durch den Tag. Solche qualifizierten Pfleger kosten im Monat meist weit weniger als ein durchschnittlicher Heimaufenthalt.“</em></p>
<p>Wir arbeiten selbst &#8211; wie viele andere ambulante Pflegedienste &#8211; mit diesen osteuropäischen Haushaltshilfen regelmässig zusammen. Das ist auch absolut in Ordnung. Es ist uns bisher aber noch nicht aufgefallen, dass es sich bei diesen Haushaltshilfen um qualifizierte Pfleger, mithin also Pflegefachkräfte handelt. Das mag in früheren Jahren so gewesen sein, mittlerweile werden Pflegefachkräfte, auch osteuropäische, nicht nur in Deutschland händeringend auf dem ersten Arbeitsmarkt gesucht, wo sie zu besseren Konditionen pflegen und arbeiten können als in einer fremden Häuslichkeit. Darum scheint es der Autorin aber nicht zu gehen, sie fährt, die Katze jetzt aus dem Sack lassend, fort:</p>
<p><em>„Jetzt wird unter Pflegeexperten und Politiker über neue Ansätze diskutiert. Der CDU-Politiker Willi Zylajew regte jüngst an, dass man deutsche Rentner doch im Ausland pflegen lassen könne. Die Idee ist nicht absurd. Denn viele Senioren leben bereits in einem Heim in der Slowakei, Tschechien oder Ungarn.“</em></p>
<p>Genausowenig absurd wie die Idee, einmal darüber nachzudenken, ob die Praktikanten beim ZDF vielleicht doch nicht die Macht übernommen haben, die Chefredaktion vielmehr noch in Amt und Würden ist, eben weil sie nicht nur mit der CSU telefoniert sondern auch noch mit den selbsternannten Pflege-Caritas-Experten der CDU. Der Text bricht dann runter auf den konkreten Einzelfall:</p>
<p><em>„Christa Scherbaum ist auch eine von diesen Seniorinnen, die ihren Lebensabend nicht in der Heimat verbringen werden. Die finanzielle Belastung des Sohnes war zu stark geworden, denn mehr als 1600 Euro musste er monatlich zu dem Heimaufenthalt seiner Mutter im Fränkischen Oberasbach zusteuern. Statt 3200 Euro kostet ihr neues Pflegeheim in der Slowakei 1000 Euro im Monat. Erschwinglich – und auch qualitativ ist an dem slowakischen Heim und den Pflegerinnen nichts auszusetzen. Obwohl es Schwierigkeiten bei der Verständigung gibt, hat sich die Frau ganz gut eingelebt. Zwar ist klar, dass ihre Familie sie fortan weniger sieht, doch hat ihr Sohn versprochen sie oft besuchen zu kommen. Frau Scherbaums Demenz ist ohnehin so stark, dass sie ihre Angehörigen wahrscheinlich kaum noch erkennt.“</em></p>
<p>Auch eine von diesen Seniorinnen, die erschwinglich und irgendwie qualitativ für nur 1000 Euro versorgt werden. Und da treibt es einem wirklich die Tränen der Rührung in die Augen ob dieser qualifizierten osteuropäischen Pfleger, die sich nicht nur in deutschen Häuslichkeiten verdingen sondern auch in ihrer Heimat für einen Bruchteil des Geldes arbeiten, das sie einige Kilometer weiter westlich verdienen könnten. Gut für Frau Scherbaum. Blöd nur, dass sie ihre Familie weniger sieht und auch kein Slowakisch versteht. Macht aber nix, weil die Frau Scherbaum ist ja eh dement. Merkt ja nichts mehr, die Gute. Das erreicht jetzt schon einen Grad des Zynismus, der mit blosser Schludrigkeit nicht mehr zu entschuldigen ist, unterstellt der Text doch implizit, dass Menschen bei fortgeschrittener Demenz ohnehin nicht mehr adäquat betreut werden müssten, da sie durch die Krankheit bereits sozial entkernt worden sind. Die Autorin ist aber noch nicht fertig:</p>
<p><em>„Was auf den ersten Blick ein wenig wie eine Abschiebung der demenzkranken Mutter aussieht, ist für viele Familien der einzige Ausweg. Frau Scherbaum ist in guter Gesellschaft. Allein in ihrem Heim gibt es noch zwei andere deutsche Patienten.“</em></p>
<p>Da taucht dann das Kostenargument zum wiederholten Male auf, das aber an keiner Stelle diskutiert oder gar differenziert wird. Es ist natürlich richtig, dass die Pflegeversicherung nur einen Teil der Pflegekosten bezahlt und deshalb die Pflegebedürftigen den Restanteil der Pflegekosten aus eigenen Mitteln zu bestreiten haben. Es ist auch richtig, dass, sollten diese eigenen Mittel nicht ausreichen, das Sozialamt den Restanteil der Pflegekosten im Rahmen der Hilfe zur Pflege bezahlen kann. Und es entspricht weiter den Tatsachen, dass das Sozialamt, bevor es Hilfe zur Pflege gewährt, zunächst die Unterhaltspflicht der direkten Angehörigen prüft und diese gegebenenfalls zur Kostenbeteiligung heranzieht. Es entspricht aber ganz und gar nicht den Tatsachen, dass die Beteiligung der Angehörigen an den Pflegekosten durch das prüfende Sozialamt für diese zur Armutsfalle wird. Vielmehr wird jeder Einzelfall unter Berücksichtigung des individuellen Einkommens und bestimmter Selbstbehaltsgrenzen geprüft, wie unter anderem <a href="http://www.senioreninfo.de/pflege/pflegefall-was-tun/pflegekosten-fuer-angehoerige.html" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">hier</span></a> nachzulesen ist:</p>
<p>„Es gibt keine klaren Einkommensgrenzen, ab denen auf jeden Fall Unterhalt gezahlt werden muss. Zu kompliziert sind die Regelungen, die die finanzielle Leistungsfähigkeit von Angehörigen betreffen. Dafür kommt rechtlich das Prinzip des Selbstbehalts zum Tragen. Der Selbstbehalt ist die Summe, die einem Angehörigen zugestanden wird, um seine eigene Lebensführung angemessen bestreiten zu können.(…) Die konkrete Berechnung erfolgt jedoch nicht mechanisch, sondern berücksichtigt die soziale Stellung und die Lebensgewohnheiten des Unterhaltsverpflichteten. Niemand muss nach herrschender Rechtsprechung eine spürbare und dauerhafte Senkung seines Lebensstandards hinnehmen – es sei denn, er lebt in luxuriösen Umständen (und dann fiele die Unterhaltszahlung wohl kaum ins Gewicht!) Vermögenswerte der Kinder wie Wohneigentum, Geldanlagen bzw. Sparguthaben werden – soweit sie nicht außergewöhnlich hoch sind – nicht beansprucht.“</p>
<p>Mit derlei komplizierten Spitzfindigkeiten hält sich die Autorin aber freilich nicht auf. Für sie und für viele Familien ist das osteuropäische Pflegeheim der einzige Ausweg, zumal sich Frau Scherbaum, eben noch zu dement und somit bereits zu sozial entkernt, um ihre Familie noch zu erkennen, auf einmal dann doch deutscher Mitbewohner erfreuen darf. Im Folgenden wird der neue „Lösungsansatz“ noch gefeiert, wobei der Text seltsam indifferent wird, als sei sich die Autorin bezüglich des neuen „Lösungsansatzes“ plötzlich doch nicht mehr ganz so sicher:</p>
<p><em>„Die Vermittlung an ein Pflegeheim in Osteuropa erscheint wie ein Kompromiss, der für alle Seiten erträglich ist. (…) Schlechter als in Deutschland ist die Pflege in Osteuropa selten und somit ist der Heimaufenthalt auch für die Alten so erträglich wie nur eben möglich.“</em></p>
<p>Und wenn man dann noch den kruden Schlusssatz des Absatzes,</p>
<p><em>„Auch der Vermittler freut sich, denn Unternehmer wie Artur Frank verdienen beachtliche Provisionen bei dem Geschäft mit der Vermittlung Ost.“</em>,</p>
<p>liest, fragt man sich dann zum wiederholten Male, ob man womöglich einem etwas verunglückten Satirestück aufgesessen ist, was aber letztlich unerheblich bleibt, denn die Idee des Herrn Zylajew ist nunmehr in der Welt und sorgt für mächtig Wirbel in Pressemitteilungen, Internetforen und Kommentarspalten. Und so entsteht dann wie üblich eine grosse Aufgeregtheit über Pflege, die dann natürlich in einer sonntäglichen Talkshow kulminiert, in welcher die üblichen Experten &#8211; Politiker, Betroffene, Heimleiter &#8211; zusammensitzen und den üblichen Mist verzapfen und eine ehemalige Bundesgesundheitsministerin beispielsweise genau jenes Pflege-Minuten-Modell geisselt, das sie in achtjähriger Regentschaft ganz vergessen hat abzuschaffen, so wie ein Caritas-Mensch erzählt, er würde sich in seinem eigenen Heim nicht pflegen lassen, denn gute Pflege sei in Deutschland nur schwer möglich wegen der hier herrschenden geringen Personalschlüssel, wobei er nicht vergisst zu erwähnen, dass der Anteil der Personalkosten in seinem Heim bereits 80% betragen (Und dann doch vergisst zu konkretisieren: Anteil an was? Am Umsatz oder an den Gesamtkosten?), weil die Dementen so einen grossen Bewegungsdrang hätten (Was natürlich stimmt. Vor allem bei ausbleibender oder nicht adäquater Therapie und Beschäftigung), obwohl sein Heim doch über so einen schönen Sinnesgarten verfügt, und dann erzählt ein weiterer Politiker noch irgendwas und der Moderator überreicht Blumen an irgendwen und kein Mensch hat schlussendlich eine Antwort bekommen auf die eingangs der Sendung formulierte Frage: Wird Pflege unbezahlbar?</p>
<p>Und natürlich hat reform<strong>pflege</strong> auch keine Antwort auf diese Frage. reform<strong>pflege</strong> hat hat aber eine Antwort auf die Frage, warum Pflege so teuer ist, wie sie eben ist. Und diese Antwort soll anhand des Pflegesatzes eines der reform<strong>pflege</strong> zufälligerweise näher bekannten Pflegeheimes hier einmal exemplarisch dargestellt werden.</p>
<p>Die Heimkosten eines jeden deutschen Pflegeheims setzen sich (bei Vernachlässigung der in einzelnen Bundesländern erhobenen Ausbildungsumlage) aus insgesamt drei grossen Kostenblöcken zusammen. Diese sind:</p>
<p>- Investitionskosten</p>
<p>- Unterkunft und Verpflegung</p>
<p>- Pflegebedingter Aufwand</p>
<p>Investitionskosten sind, wie der Name schon sagt, die Kosten, die notwendig sind, damit auf der grünen Wiese eine Pflegeeinrichtung entsteht und dieses auch komplett funktionsfähig ausgestattet ist. Auch wenn die Einrichtung bereits in Betrieb ist, können weitere Investitionskosten entstehen, wenn beispielsweise Gesetzesänderungen umfangreiche Um- oder Anbauten notwendig machen. Die Investitionskosten sind die einzigen Kostenbestandteile, die durch das Heim in eigener Regie berechnet und veranschlagt werden können, wenn die Einrichtung keine Fördermillionen in Anspruch genommen hat. Der Investitionskostensatz des Haus Tanneck beträgt:</p>
<p>Euro 17,35 täglich.</p>
<p>Die zwei restlichen Kostenbestandteile &#8211; Unterkunft und Verpflegung sowie der pflegebedingte Aufwand &#8211; sind Kosten, die das Pflegeheim nicht frei festsetzen kann, diese muss es mit den Kostenträgern, also den Pflegekassen und dem Sozialhilfeträger, verhandeln. Wobei Verhandlung eine ziemlich euphemistische Umschreibung dessen ist, was sich regelmässig in allen Pflegeeinrichtungen vollzieht, da die Pflegeeinrichtungen natürlich dringend einen genehmigten, also verhandelten Pflegesatz benötigen, um ihre Arbeit auch abrechnen zu können, sie aber eigentlich über kein wirkliches Druckmittel verfügen, und die Vorteile bei den Verhandlungen somit immer auf Seiten der Kostenträger liegen.</p>
<p>Der zweite Kostenblock sind die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, diese umfassen alle Dienstleitungen &#8211; nicht Investitionen &#8211; die, wie der Name schon sagt, der Unterkunft und Verpflegung zuzurechnen sind. Der Kostensatz für die Unterkunft und Verpflegung im Haus Tanneck beträgt derzeit:</p>
<p>Euro 19,00 täglich.</p>
<p>Mit diesen beiden Kostenanteilen und ohne die Kosten für den pflegebedingten Aufwand hat man bis dahin die Kostenstruktur eines hotelähnlichen Betriebs. Die Investitionskosten sorgen für die Immobilie und die Ausstattung des Hauses und die Kosten für Unterkunft und Verpflegung finanzieren den laufenden Hotelbetrieb. Addiert man also beide Kostenblöcke, erhält man somit die sogenannten Hotelkosten. Die Hotelkosten im Haus Tanneck betragen demnach:</p>
<p>Euro 36,35 täglich.</p>
<p>Was erhält man für diese Kosten. Oder anders gefragt, was ist der Gegenwert dieser Euro 36,35 täglich?</p>
<p>Der Gegenwert ist zunächst einmal ein warmes, beheiztes Zimmer mit Nasszelle, fliessend Warmwasser, Strom usw., das hinsichtlich der Grösse und der Ausstattung den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen muss, das also barrierefrei ist, das eine bestimmte Grösse hat, das bereits möbliert ist und das natürlich tagtäglich gereinigt wird. Ausserdem erhält man noch das Recht auf Mitbenutzung aller Gemeinschaftsräume, die da beispielsweise sind: Speisesäale, Therapieräume, Cafeteria, Bibliothek, Pavillon als auch der Gärten (Nein, keine Sinnesgärten) und der zwei Aufzüge, die allesamt ebenso tagtäglich beheizt (Die Gärten natürlich nicht), gereinigt und durch den eigenen haustechnischen Dienst instandgehalten werden. Man erhält des Weiteren fünf Mahlzeiten mit Getränken am Tag, wie Frühstück, Zwischenmahlzeit am Vormittag, 3-Gänge-Menu zu Mittag (Suppe, Hauptspeise und Nachtisch), Zwischenmahlzeit am Nachmittag, Abendessen und bei Bedarf sogar noch eine sechste Mahlzeit, die sogenannte Spätmahlzeit. Alle Mahlzeiten werden täglich frisch in der eigenen Hausküche zubereitet, 365 Tage im Jahr. Damit aber auch noch nicht genug, verfügt das Haus noch über eine eigene Waschküche, die nicht nur die Hotelwäsche reinigt sondern auch die Leibwäsche der Bewohner, welche gewaschen, gebügelt und zusammengelegt jeden Werktag in die persönlichen Schränke der Bewohner eingeräumt wird.</p>
<p>Man erhält für diese Euro 36,35 täglich also ziemlich viel, wenn man so will, könnte man sagen, man erhält eine umfassende Vollpension, die bei weitaus geringerem Preis weit über das hinausgeht, was in so manchen Pensionen oder Hotels unter dem Begriff Vollpension verstanden wird.</p>
<p>Menschen kommen aber in der Regel nicht in Pflegeeinrichtungen, um dort Urlaub zu machen, sie kommen, da sie pflegebedürftig sind und sich deshalb in einer professionellen Pflegeeinrichtung eine Lebensqualität versprechen, die in der eigenen Häuslichkeit so nicht mehr zu gewährleisten ist. Diese Lebensqualität soll neben der Unterkunft und Verpflegung durch Pflege sichergestellt werden. Die Kosten für die Pflege oder des pflegebedingten Aufwandes variieren, je nachdem, welcher Pflegestufe der einzelne Bewohner zugeordnet worden ist. D. h. der Pflegebedarf der Bewohner ist individuell unterschiedlich. Es gibt Bewohner, die benötigen mehr Grundpflege, dafür aber weniger Behandlungspflege oder Therapie. Andere übernehmen grosse Teile der Grundpflege unter Anleitung selbst, werden aber aufgrund ihrer Demenz an 365 Tagen im Jahr von morgens bis abends in einer unserer Demenzgruppen betreut. Wieder andere Bewohner sind nicht dement, genesen aber von einer schweren Operation und haben deshalb einen immensen Bedarf an Behandlungspflege, da ihre Wunden jeden Tag auf’s Neue aufwendig versorgt werden müssen. Das hat zur Folge, dass der Gegenwert oder der Nutzen für die Kosten des pflegebedingten Aufwandes anders wie bei den Investitionskosten oder den Kosten für die Unterkunft und Verpflegung nur sehr schwer allgemein und verständlich dargestellt werden können. Aber vielleicht hilft hier ein statistischer Kunstgriff weiter. Die durchschnittliche Pflegestufe im Haus Tanneck entspricht rein statistisch betrachtet ziemlich genau der Pflegestufe II. Um die Leistungen der Pflegestufe II zu erhalten, muss ein pflegebedürftiger Mensch laut Pflegeversicherungsgesetz einen Grundpflegebedarf (Nicht Therapie-, Betreuungs- oder Behandlungspflegebedarf) von mindestens 120 Minuten täglich haben.</p>
<p>120 Minuten.</p>
<p>Was bezahlt man in Deutschland für 120 Minuten? Oder anders gefragt, was sind in Deutschland 120 Minuten Dienstleistung und Arbeit wert? Und damit sind jetzt nicht die 120 Minuten eines Kanzlerkandidaten oder eines Krankenkassenvorstandes oder eines Investmentbankers oder eines Unternehmensberaters oder eines Bundesgesundheitsministers gemeint, sondern die 120 Minuten, wie sie Menschen in ihre Rechnungen schreiben, die einem ganz normalen Handwerk oder Sprechwerk nachgehen, so wie Pflege ein ganz normales Hand- und Sprechwerk ist.</p>
<p>Und weil das Haus Tanneck nicht nur Rechnungen schreibt, sondern auch Rechnungen bezahlt und diese sodann in Aktenordern abheftet, damit der nette Mensch vom Finanzamt sie irgendwann einmal sichtet und prüft, finden sich in diesen Aktenordnern viele Rechnungen von Menschen, die einem ganz normalen Hand- und Sprechwerk nachgehen.</p>
<p>Es findet sich die Rechnung eines Installateurs, der für 60 Minuten Arbeitszeit Euro 42,90 netto berechnet. Brutto kosten den Endverbraucher demnach 120 Minuten Installateur:</p>
<p>Euro 102,10</p>
<p>Es findet sich die Rechnung eines KFZ-Fachbetriebes, der für 5 Minuten Arbeitszeit Euro 5,04 netto berechnet. Brutto kosten den Endverbraucher demnach 120 Minuten KFZ-Fachbetrieb:</p>
<p>Euro 143,94</p>
<p>Es findet sich die Rechnung des Miele Kundendienstes, den wir immer rufen müssen, wenn die alte Miele Industriewaschmaschine kaputt ist und wir sie nicht mit Bordmitteln reparieren können. Eine Stunde Miele Kundendienst kostet Euro 91,80. Brutto kosten den Endverbraucher demnach 120 Minuten Miele Kundendienst:</p>
<p>Euro 218,48</p>
<p>Keine dieser Rechnungen weist ausdrücklich eine Fachkraft aus. Es finden sich lediglich die Bezeichnungen Monteur oder Arbeitszeit. Auf meine Nachfrage, ob denn ein Stundensatz von Euro 91,80 nicht ein bisschen happig sei, entgegnete der nette Miele Kundendienst Monteur, tja, was ist denn heute noch billig? Tja, Pflege ist heute noch billig. Brutto wie netto kosten den Endverbraucher der Pflegestufe II 120 Minuten Pflege im Haus Tanneck:</p>
<p>Euro 55,20</p>
<p>Welche zudem noch alle weiteren Kosten für Therapie, Betreuung und Behandlungspflege abdecken müssen. Und das ist nicht nur billig. Das ist auch noch beschämend. Es ist beschämend, dass die Installation einer Toilette, der Austausch einer Einspritzpumpe und die Reparatur einer Waschmaschine nicht nur offenbar wesentlich wertvoller sind als der vornehme Dienst an alten, kranken und schwachen Menschen sondern sich auch noch grösserer gesellschaftlicher Akzeptanz erfreuen dürfen, während um Pflege eine Debatte entbrennt, sie sei zu teuer, obwohl sie nachweislich zu billig ist.</p>
<p>Und das ganze wird noch beschämender, wenn man zwischen den ganzen Online-Kommentaren, die auf einen <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/pflegeheime-im-ausland-die-verrueckte-idee-vom-greisen-export-1.1512615" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">Artikel der SZ</span></a> folgten und die grösstenteils von den immer gleichen Idioten mit Schaum vor dem Mund verfasst werden, den Kommentar eines offensichtlich noch jungen Menschen mit dem Pseudonym Calmacil findet, der sich beinahe dafür rechtfertigen will, dass er sein Geld mit Pflege verdient:</p>
<p>„Meine Freundin und ich arbeiten beide als Pflegekräfte in einem Heim hier im Ort. Mit dem Gehalt, das wir bisher verdienten und noch erarbeiten werden (und dem Geld unserer Eltern ohne das unser Gehalt nicht dafür gereicht hätte) haben wir von der Gemeinde einen Bauplatz erstanden und Handwerker aus der Umgebung bezahlt, um ein Haus zu bauen. Wir fahren ein Auto von einer in der Nähe gelegenen Firma und kaufen unsere Lebensmittel von Händlern vor Ort.</p>
<p>Im Gegenzug haben wir bereits Angehörige von Bürgermeistern, Bäckern, Autobauern, Pfarrern, Handwerkern uvm gepflegt.</p>
<p>Ich halte das eigentlich für ein ziemlich gutes System.</p>
<p>Pflege in Heimen ist &#8220;teuer&#8221;?</p>
<p>Pflege ist vor allem keine besonders beliebte Möglichkeit, Geld auszugeben. Während Autos, Urlaub und technische Gadgets sexy sind, wird Pflege als notwendiges Übel gesehen. In einer egoistischen Konsumgesellschaft sind Dinge eben wichtiger als Menschen.“</p>
<p>In einer egoistischen Konsumgesellschaft sind Dinge eben wichtiger als Menschen. Dem kann man kaum widersprechen. Forscht man aber etwas tiefer über die mangelnde Wertschätzung, die Pflege entgegengebracht wird, findet man neben der Tatsache, dass Pflege nun einmal grösstenteils und traditionell Frauensache ist, und die Arbeit von Frauen generell und immer noch als minderwertig oder minderwertiger erachtet wird, den Grund der mangelnden Wertschätzung im eigentlichen Sujet von Pflege, man findet ihn in der abgrundtiefen gesellschaftlichen Verachtung von Alter, Krankheit und Schwäche, oder anders ausgedrückt in der Verachtung der Unproduktivität von Pflegebedürftigkeit. Pflege produziert nichts, keine Toiletten, Motoren oder Waschmaschinen, Pflegebedürftigkeit verbraucht nur Ressourcen. Und anders als in den Institutionen am anderen Ende der Bedürftigkeits-Biographie, den Kindergärten, bringen diese Ressourcen auch zu späteren Zeiten keinen Ertrag, denn während am Ende des Ressourcenverbrauchs in den Kindergärten die ehemaligen Kindergartenkinder irgendwann als zahlende, produzierende und somit verwertbare Mitglieder in die egoistische Konsumgesellschaft eintreten, steht am Ende des Ressourcenverbrauchs der Pflege immer nur der Tod. Ausser Spesen nichts gewesen. Diese Verachtung des Alters, der Schwäche und der Krankheit, der Unproduktivität, welche durch die Geringschätzung der Pflege hindurch schimmert, ist umso erstaunlicher, als wir alle alt zu werden wünschen, wir also das Alter gerne in Kauf nehmen würden &#8211; aber bitte immer nur ohne Krankheit, Schwäche und Hilfsbedürftigkeit. Aus diesem Grunde werden dann auch Slogans erfunden wie „50 ist das neue 30“ oder „70 ist das neue 50“. Wir sollen uns das Alter jung träumen. Das Alter ist aber nicht jung, es wird für die meisten von uns verbunden sein mit Krankheit, Schwäche und Hilfsbedürftigkeit. Und eben daran erinnert uns immer Pflege. Und genau das verzeihen ihr viele nie.</p>
<p>Was nun die Frage angeht, warum Pflege das kostet, was sie nun einmal kostet, so ist die Antwort denkbar einfach: Weil Pflege nun einmal von Menschen gemacht wird, die &#8211; wie alle anderen auch &#8211; von ihrer Arbeit leben wollen und zwar in Deutschland und nicht in Osteuropa.</p>
<p>Und natürlich ist Pflege so „teuer“, weil sie jeden Tagen benötigt wird, wochen-, monate- und manchmal sogar jahrelang, und weil immer mehr Menschen sie benötigen werden, was eine grosse, wenn nicht sogar die grösste Herausforderung an die gesellschaftliche aber auch familiäre Solidarität ist, der sich jetzt schon so viele entziehen. Die Frage, wie Pflege im Zeichen des Demographie-Wandels zukünftig finanziert werden soll und kann, ist aber keine Frage, die Pflege zu beantworten hat. Das ist vielmehr eine politische Frage, die also von den Politikern beantwortet werden sollte, die es derzeit noch vorziehen, zu ihren persönlichen PR-Zwecken dämlich von ihren <a href="http://www.bmg.bund.de/" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">Ministeriums-Webseiten</span></a> herabzugrienen, statt die Lösung endlich anzugehen.</p>
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		<title>Breaking News 8</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Oct 2012 13:03:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Zajac</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Ambulant]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun könnte man natürlich schreiben: Das kommt ja wie gerufen! Aber fast 9000 Fälle von Magen-Darm-Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen sind natürlich nicht witzig und sollten auch kein Anlass für kleinliche Rechthaberei sein. Aber vielleicht zum Nachdenken, denn dieser Artikel hat natürlich Recht: 2 Euro 10 für ein Mittagessen, wenn auch für eine kleinere Kindergarten-Portion, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun könnte man natürlich schreiben: Das kommt ja wie gerufen! Aber fast 9000 Fälle von Magen-Darm-Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen sind natürlich nicht witzig und sollten auch kein Anlass für kleinliche Rechthaberei sein. Aber vielleicht zum Nachdenken, denn <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/kantinenbetreiter-sodexo-einmal-satt-fuer-euro-1.1484384" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">dieser Artikel hat natürlich Recht:</span></a> 2 Euro 10 für ein Mittagessen, wenn auch für eine kleinere Kindergarten-Portion, sind natürlich nicht ausreichend, um gut, gesund als auch profitabel zu kochen. Zumindest gilt das für kleinere Küchen. Aber das ist nun einmal der Marktpreis, und der wird von den Konzernküchen diktiert. Wenn also kleinere Küchen &#8211; so wie wir &#8211; noch gut, frisch, gesund und für diese mickrigen Marktpreise für die örtlichen Kindergärten kochen, so machen sie das nicht selten aus einem Verantwortungsgefühl gegenüber dem Gemeinwesen heraus (also eigentlich aus Marketinggründen).</p>
<p>Was in dem Artikel leider nicht zur Sprache kommt, ist die Tatsache, dass die EU-Verordnungen, welche die kleinen Metzgereien plattmachen sollen (reform<strong>pflege</strong> berichtete an <a href="http://www.unserwegzumpool.de/?p=400" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">anderer Stelle</span></a>), auch einige Gemeinheiten für diese kleinen Küchen enthielten, da diese, sobald sie einen gewissen Prozentsatz (Wohlgemerkt: <em>Prozentsatz</em>, das können 10 oder 900 Essen sein) der täglich gekochten Portionen nach ausserhalb liefern, also nicht alle Portionen im Pflegeheim verzehrt werden, eine EU-Zulassung beantragen müssen. Um diese EU-Zulassung erhalten zu können, also weiterhin für ausserhalb kochen zu dürfen, sind umfangreiche Baumassnahmen notwendig, welche diese Küchen &#8211; etwas zugespitzt formuliert &#8211; in Hochsicherheitslabore verwandeln würde. Es ist natürlich vollkommen unbeabsichtigt, dass die geforderten Umbaumassnahmen für die kleineren Küchen nicht zu finanzieren sind &#8211; schon gar nicht bei den von den Konzernküchen diktierten Marktpreisen (<a href="http://www.wiwo.de/politik/deutschland/mehrwertsteuer-bund-beendet-steuerchaos-fuers-pizza-taxi/6588952.html" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">und dem vom Staat diktierten vollen Mehrwertsteuersatz von 19%</span></a>). Es entbehrt deshalb nicht einer gewissen Komik, dass den Viren, Baktieren oder was auch immer die bisher grösste durch Lebensmittel ausgelöste Krankheitswelle in der Bundesrepublik verursacht haben, die Hygienemassnahmen der Eu-zugelassenen Sodexo-Grossküchen, die ja fast ausschliesslich nach ausserhalb liefern, anscheinend herzlich egal gewesen sind.</p>
<p>Wo Menschen arbeiten, geschehen Fehler, und natürlich bieten auch kleinere Küchen, die jeden Tag frisch kochen, heiss ausliefern und dazu nur wenige Kilometer weit fahren, keine absolute Sicherheit. Wenn das Kind dann aber doch einmal in den Brunnen gefallen ist, sitzen wenigstens nicht 9000 auf dem Klo sondern nur ein paar Dutzende.</p>
<p>Wie wird die Politik jetzt reagieren? Sie wird sehr wahrscheinlich reagieren wie immer. Sie wird die Hygienemassnahmen noch einmal verschärfen, umfangreiche Auflagen machen, die für die kleinen Küchen nur schwer bis gar nicht zu finanzieren sind, was dazu führt, dass viele kleinere Küchen die Kochlöffel strecken und den Grossküchen neue Kunden zugeführt werden.</p>
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		<title>Der Text für den Rest von uns (Ich, der Souverän 2)</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Sep 2012 18:55:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Zajac</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ambulant]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Apotheker streiken, die Ärzte initiieren die „Operation Shitstorm“ und jeder Deutsche zahlt laut einer neuen Umfrage jährlich durchschnittlich 380 Euro aus eigener Tasche an Apotheker, Ärzte und Krankenhäuser während die Krankenkassen und der Gesundheitsfonds derzeit eine Rekord-„Reserve“ von fast 22 Milliarden Euro horten. Geld, das Arbeitnehmern, Arbeitgebern als auch dem Steuerzahler aus dem Kreuz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Apotheker streiken, die Ärzte initiieren die „Operation Shitstorm“ und jeder Deutsche zahlt laut einer neuen Umfrage jährlich durchschnittlich 380 Euro aus eigener Tasche an Apotheker, Ärzte und Krankenhäuser während die Krankenkassen und der Gesundheitsfonds derzeit eine Rekord-„Reserve“ von fast 22 Milliarden Euro horten. Geld, das Arbeitnehmern, Arbeitgebern als auch dem Steuerzahler aus dem Kreuz geleiert, dem Wirtschaftskreislauf erst einmal entzogen wurde, und das natürlich Begehrlichkeiten weckt, zumal selbst S. E. der Bundesgesundheitsminister gewohnt scharfsinnig festgestellt hat, dass Krankenkassen keine Sparkassen seien und deshalb den Versicherten zumindest einen Teil der überbezahlten Beiträge, etwa in Form von Prämien zurückerstatten sollten. Eine Aufforderung, welcher die Krankenkassen ihrerseits gewohnt zögerlich bis gar nicht nachkommen, weshalb sie weiterhin auf Milliarden sitzen und es deshalb auch auszuhalten hatten, dass ihnen die Ärzte in einer doch eher antiquiert anmutenden Interpretation der Denial-of-Servive-Attacke die Faxgeräte zumüllen. So weit, so schwachsinnig, so wie immer.</p>
<p>Und natürlich könnte man es sich jetzt leicht machen und den Ausführungen einiger <a href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mediziner-im-streik-warum-die-aerzte-ihr-ansehen-aufs-spiel-setzen-1.1466952" target="_blank">Kommentatoren</a> folgen, wonach die Ärzte immer noch deutlich mehr verdienen als Otto Normalverbraucher, sie sich also nicht so anstellen sollen und dass doch <em>die</em> Ärzteschaft selbst erst kürzlich eine Studie in Auftrag gegeben hat, deren Ergebnisse nun vorliegen, wonach <em>die</em> Ärzte zum ganz überwiegenden Teil Spass an ihrer Arbeit haben, <em>die</em> Ärzte mit ihrer Arbeit zufrieden sind, <em>die</em> Ärzte ihre Arbeit inspirierend finden, <em>die</em> Ärzte mehrheitlich ihren Beruf wieder ergreifen würden „und schliesslich“ 56% <em>der</em> Ärzte auch mit ihrem Einkommen zufrieden sind „was übrigens genau dem Durchschnitt aller anderen Berufsgruppen entspricht.“ Schön, dass wir alle so hälftig zufrieden sind. Schön, dass man auch bei empfundener Unterbezahlung glücklich sein kann. Schön, dass genau das beabsichtigt ist. Schön, dass man die Welt immer so einfach erklärt bekommt. Schön, dass die Welt aber nicht so einfach ist. <a href="http://www.tagesschau.de/inland/interview-hausaerzte100.html" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">Schön, dass es <em>die</em> Ärzte nämlich gar nicht gibt</span></a>. Schön, dass das Einfache immer komplizierter wird. Schön, dass genau das beabsichtigt ist, denn wenn die Einfachen das Komplizierte nicht mehr kapieren, können die Verkomplizierer machen was sie wollen. Schön, dass das so schön demokratisch ist. Schön, dass das so schön transparent ist. Schön, dass wir alle nix mehr kapieren dürfen. Schön, dass wir alle alle vier Jahre wählen dürfen. Schön, dass Verkomplizierung Herrschaftsinstrument ist. Schön, dass die Prinzen immer mehr machen können, was sie wollen, da die Verkomplizierung ihr Herrschaftsprinzip ist. Schön. Schön. Schön. Schön. Schön.</p>
<p>Es ist natürlich gelogen, dass ich, der Souverän, den Prinzen jemals die Staatsgewalt übertragen habe. Ich habe den Prinzen nämlich überhaupt nichts niemals übertragen, sie waren vielmehr schon längst im Amt, als ich geboren wurde. Irgendwann habe ich dann in der Schule gelernt, dass Deutschland 1939 mal wieder einen Weltkrieg angezettelt, diesen mal wieder verloren hatte und die Kriegsgewinner, der ewigen Weltkriege überdrüssig, beschlossen, den Deutschen, also uns oder unseren Vorfahren, um des lieben Friedens willen endlich die Demokratie zu lehren. Demokratie, das ist diese seltsame Staatsform, die &#8211; zumindest in ihrer gegenwärtigen Definition &#8211; immer noch gewisse monarchistische Elemente in sich trägt, da sie einfach nicht von der Vorstellung lassen kann, dass irgendjemand der Chef zu sein hat. Und weil ein demokratischer Chef nun einmal nicht durch die Herkunft seines Blutes, durch seine Geburt bestimmt sein darf, weil das ja undemokratisch ist, geben die Prinzen für den Souverän, also für mich, alle vier Jahre eine Wahl und ich wähle dann einen Kandidaten, den ich nicht kenne, und der mir Versprechungen macht, die ich nicht glaube, und der dann, wenn er denn gewählt worden ist, also mehr Stimmen für sich verzeichnen konnte als seine Gegenkandidaten, zusammen mit den anderen gewählten Kandidaten ihren und somit auch meinen Chef wählt. Und wenn unser Chef gewählt worden ist, dann schreiben die Zeitungen für gewöhnlich, dass wir jetzt einen neuen oder auch alten Chef haben, der so oder so heisst, und der jetzt die Macht habe. Und immer wenn ich in der Zeitung lese, dass ich jetzt einen neuen Chef habe, der so oder so heisst, und der jetzt die Macht hat, wird mir regelmässig schlecht, weil ich dann nämlich denke, es wäre besser gewesen, die Kriegsgewinner hätten mit der Diktatur die Macht gleich mitabgeschafft, weil ich finde, Macht braucht eigentlich kein Mensch. Da sie das aber aus irgendwelchen Gründen vergessen haben, gehe ich alle vier Jahre zur Wahl oder auch nicht, wähle einen Prinz oder auch nicht, was zur Folge hat, dass die Prinzen und unser Chef alle vier Jahre daran erinnert werden, dass es erstens: mich immer noch gibt und zweitens: sie meiner Legitimation bedürfen, wollen sie für sich das erhalten, von dem ich wiederum denke, dass es am besten abgeschafft gehört. Und da es natürlich sehr viele unterschiedliche Prinzen gibt, und auch sehr viele Prinzen gerne Chef sein würden, es aber aus irgendwelchen Gründen immer nur einen Chef und eine begrenzte Anzahl von Prinzen geben darf, die Macht also nicht unendlich teilbar ist (warum eigentlich nicht?), sind alle Prinzen und auch der Chef auf meine Stimme angewiesen, wollen sie Prinz oder Chef bleiben oder werden. Und deshalb ist es dann natürlich in ihrem Sinne vorteilhaft, wenn sie, die Prinzen, mich, den Souverän, nicht schon vor der Wahl durch ihr Regierungshandeln verärgert haben, weil es sonst natürlich sein könnte, dass ich nicht sie sondern einen anderen Prinzen direkt oder einen anderen Chef indirekt wählen könnte, weshalb genau hier und jetzt, an diesem Punkt, das so genannte Prinzen-Dilemma beginnt. Denn natürlich und selbstverständlich haben die Prinzen überhaupt gar kein Interesse daran, eine Politik zu machen, die mich nicht verärgert sondern immer nur ein Interesse daran, mich fortwährend mit Gesetzen zu drangsalieren, die mich ziemlich verärgern könnten, da sie weniger meinem als mehr ihrem oder dem Wohl irgendwelcher Interessengruppen dienen, weshalb sie aufgrund dieses Dilemmas dringend ein Mittel ersinnen mussten, mich, den Souverän nicht zu verärgern und mich gleichzeitig doch und trotzdem und weiterhin und unausgesetzt mit drangsalierenden, sinnlosen und aberwitzigen Gesetzen überhäufen zu können &#8211; und eben dieses Mittel ist die so genannte Verkomplizierung.</p>
<p>Die Verkomplizierung verfolgt immer und nur einen einzigen Zweck, nämlich mich, den Souverän, über die wahren Beweggründe der Prinzen oder des Chefs im Unklaren zu lassen. Hierzu ist es zwingend notwendig, dass die Verkomplizierung immer und ausschliesslich eine doppelte Wirkung entfalten muss. Sie muss zum einen einen einfachen Sachverhalt so verkomplizieren, dass ich ihn nicht mehr kapiere oder nachvollziehen kann, und sie muss zum anderen immer noch so abgrundtief kompliziert sein, dass selbst wenn er, der verkomplizierte Sachverhalt, durch schlauere Menschen als mich begriffen würde, diese ihn mir nicht erklären könnten, da ich, wenn ich, als Souverän, dann beispielsweise in meiner tapfer gegen den Zensus 2011 verteidigten Badewanne sitze oder in meinem Auto hochherrschaftlich über Land fahre, sofort den Radiosender wechseln müsste, wollte ich den plötzlichen und den in diesen Situationen mitunter tödlichen Sekundenschlaf vermeiden.</p>
<p>Die Verkomplizierung ist deshalb von den Prinzen über die Jahre immer mehr verfeinert und variiert worden und erschöpft sich schon lange nicht mehr nur in blödsinnigen Formularen, hirnrissigen Gesetzen oder <a href="http://www.youtube.com/watch?v=_C2Palhx7SU" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">unverständlichen Wasserrechnungen</span></a>. Es gibt aus diesem Grund mittlerweile so viele unterschiedliche Formen von Verkomplizierungen, dass sie hier unmöglich alle vorgestellt werden können, weshalb es ratsam ist, nur zwei der politisch gebräuchlichsten als auch eine neue und besonders innovative Form der Verkomplizierung, wie sie von einem amerikanischen Konzern erfunden wurde, welcher sich diese Erfindung sogleich in allen Ländern der Welt patentieren liess, und die vielleicht demnächst auch durch die Prinzen Anwendung findet, sofern die es tatsächlich wagen, sich auf längerfristige Patentstreitigkeiten mit Apple einzulassen, an dieser Stelle kurz und exemplarisch zu besprechen.</p>
<p>Die bei weitem erfolgreichste Verkomplizierung der letzten Jahre ist die so genannte EU-Verkomplizierung. Die Prinzen hatten es nach der Gründung der EU recht schnell spitzgekriegt, dass ich, der Souverän, schon sehr viel Mühe hatte und habe, ihr Treiben auf nationaler Ebene im Auge zu behalten, weshalb sie irgendwann beschlossen, die ganz grossen Sauereien nach und nach auf die übernationale Ebene, in die EU zu verlagern, um die wahre Urheberschaft eben dieser Sauereien noch besser zu verschleiern und sie somit gänzlich meiner Aufmerksamkeit entziehen zu können. EU-Verkomplizierungen funktionieren eigentlich immer nach dem selben Muster. Sobald die Prinzen sich wieder etwas überlegt haben, das mich ganz sicher verärgen wird, weil es wieder nur ihre Wohl oder dem Wohl irgendwelcher Interessengruppen dienen soll, besprechen sie sich mit den europäischen Prinzen, suchen sodann einen Sündenbock, zumeist einen zypriotischen oder maltesischen EU-Kommissar, dessen Name ich noch nie gehört habe, und der sich freut, endlich auch einmal im Rampenlicht zu stehen, endlich auch einmal Interviews zu geben, endlich auch einmal wichtig zu sein, und dessen einzige Aufgabe es ist, ein so genanntes und ungeheur kompliziertes EU-Verordnung-Verfahren auf den Weg zu bringen, also einen Rechtsakt anzuleiern, an dessen Ende eine so genannte EU-Verordnung steht, welche das Geschenk der Prinzen an die jeweiligen Interessengruppen hübsch verpackt enthält und von der dann in den Zeitungen zu lesen steht, es gebe da eine neue EU-Verordnung, die so und so heisst, und die nach einer Übergangsfrist dann und dann in Kraft tritt, und deren narkotisierenden Einzelheiten ich im Allgemeinen überlese. Und dann passiert erst einmal nichts.</p>
<p>Nichts.</p>
<p>Aber so eine EU-Verordnung ist nun einmal wie eine Zeitbombe, deren lange Lunte brennt, und wenn auch ich, der Souverän, die Zeitungsmeldung schon lange vergessen habe, da sie schon Monate oder Jahre zurückliegt, arbeitet die Verwaltung auf Anweisung der Prinzen bereits leise und effizient an der Umsetzung der Verordnung, die, wenn sie dann an ihrem Stichtag nach Ablauf der Übergangsfrist hochgeht, manchmal &#8211; nicht immer &#8211; eine grosse Aufgeregtheit nach sich zieht, weil mir, dem Souverän, auf einmal gewahr wird, welche Sauerei da auf EU-Ebene wieder durchgestochen worden ist und wenn ich dann den Fernseher anschalte, sehe ich empörte Prinzen, die im Rampenlicht stehen, die Interviews geben, die gewohnt wichtig sind und die verkünden, dass man an dieser unsinnigen EU-Verordnung mal wieder sehen könne, wie realitätsfern Brüssel ist, dass es unglaublich ist, dass maltesische oder zypriotische EU-Kommissare der grössten Volkswirtschaft Europas solche hanebüchenen Vorschriften machen können, dass deutsche Interessen endlich wieder stärkeres Gewicht in der EU haben müssten, dass man aber leider an EU-Recht gebunden sei, dass man die EU-Verordnung also auch auf nationaler Ebene eins zu eins umsetzen müsste, dass man da nix machen kann &#8211; leider &#8211; , dass man die Umsetzung dieser EU-Verordnung aber genauestens beobachten und dass man wenigstens die gröbsten Auswüchse irgendwie korrigieren werde. Und dann passiert erst einmal nichts.</p>
<p>Nichts.</p>
<p>Denn natürlich haben die Prinzen gar kein Interesse daran, irgendetwas irgendwann irgendwie zu korrigieren. Die Prinzen warten vielmehr ab, sie warten darauf, dass nicht mehr nichts passiert, sie warten darauf, dass irgendwo ein Vulkan explodiert, ein neues Handy vorgestellt wird oder besser noch eine Bohrinsel in die Nordsee kippt &#8211; denn verölte Robbenbabies machen sich immer besonders gut &#8211; die öffentliche Erregungswelle sodann zuverlässig weiter schwappt und ihnen eine spiegelglatte See hinterlässt, auf welcher die beschenkten Interessengruppen ihre Schäfchen ungestört und bequem ins Trockene schippern.</p>
<p><strong>Was das alles mit Pflege zu tun hat? Keine Ahnung. Aber &#8220;Der Text für den Rest von uns&#8221; ist ja noch nicht fertig geschrieben. Und irgendwie kriege ich die Kurve schon noch&#8230; Fortsetzung folgt.<br />
</strong></p>
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		<title>Bahrs Pflege-Eldorado: Ambulant ist das neue Stationär</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jul 2012 20:26:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Zajac</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ambulant]]></category>
		<category><![CDATA[Demenz]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit geraumer Zeit ist zu beobachten, dass sich in unserer so beschaulichen Branche, der Pflege, eine Art Goldgräberstimmung breit macht, welche durch ein neues Gesetzeswerk noch entscheidend befeuert wird, und die allmählich besorgniserregende Ausmasse annimmt, da die ersten schon anfangen, ihre Pflegeheime zu ambulantisieren, sie zu Mietshäusern umzuwidmen, um dann flugs eine Tagespflege und einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit geraumer Zeit ist zu beobachten, dass sich in unserer so beschaulichen Branche, der Pflege, eine Art Goldgräberstimmung breit macht, welche durch ein neues Gesetzeswerk noch entscheidend befeuert wird, und die allmählich besorgniserregende Ausmasse annimmt, da die ersten schon anfangen, ihre Pflegeheime zu ambulantisieren, sie zu Mietshäusern umzuwidmen, um dann flugs eine Tagespflege und einen ambulanten Pflegedienst zu gründen, welche den zu Mietern gleich mit umgewidmeten ehemaligen Bewohnern einen bunten Strauss an pflegerischen und sonstigen Dienstleistungen offerieren. Und natürlich machen sich die Innovatoren dann im Anschluss gleich daran, dieses, ihr neues Geschäftsmodell in den branchendienlichen Schnarch-Gazetten auf das Höchste zu preisen und fordern alle Pflegeheime auf, ihr Versorgungsangebot kritisch zu überprüfen, denn hier und jetzt stehe eine Neuorientierung an, so verkünden sie, die natürlich und einzig und allein dem Wohle der „Nutzer“ zu dienen hätte, weshalb sie sich auf die Fahnen geschrieben haben, bei einem ganzheitlichen Betreuungsanspruch ginge es in Wahrheit um Teilhabe im Sinne von Wahlfreiheit, Selbstbestimmung und Angebotsvielfalt statt um Funktionsversorgung, und verlautbaren noch, nachdem sie sich selbst einen Orden für diese fast übermenschliche Erkenntnis ans Revers geheftet haben, dass nur so eine langfristige Eigenständigkeit und damit Lebensqualität für eine älter werdende Gesellschaft gewährleistet werden kann. So viel Gutmenschen-Geschwafel kommt natürlich nicht von ungefähr, sondern hat seinen Grund in eben jenem Gesetzeswerk, welches jüngst verabschiedet wurde und zum 01.01.2013 in Kraft treten soll, und das ziemlich euphemistisch weil grundlos Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (behördendeutsche Abkürzung: PNG) genannt wurde. Und natürlich enthält dieses Gesetz mit dem epochalen Titel zwar keinen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, aber doch eine paar Neuigkeiten, die für einige in unserer Branche nicht uninteressant sind, da es, das Gesetz, ein Prinzip der Pflegepolitik, das eigentlich und prinzipiell richtig ist, ein wenig überstrapaziert, was wiederum gefährliche Folgen nicht haben muss aber doch durchaus haben kann. Das Prinzip heisst „Ambulant vor Stationär“ und wurde vor Jahren von der Politik auch aus der Taufe gehoben, um die Kosten der Pflegeversicherung im Zaum und den Beitragssatz möglichst konstant zu halten, da Pflegeheime damals teuer waren und man sich von den ambulanten Pflegediensten, die anfangs pro Monat weniger Sachleistung mit den Kassen abrechnen durften, eine kostengünstigere Versorgung der pflegebedürftigen Menschen in deren eigener Häuslichkeit versprach. Dieses Prinzip ist richtig, weil Sozialversicherungen das Geld ihrer Beitragszahler nicht verschleudern sollten und es auch dem Wunsch der Pflegebedürftigen selbst entsprach und entspricht, solange in der eigenen Häuslichkeit verbleiben zu können wie es irgend geht, ein Wunsch, dem auch wir Rechnung trugen, indem wir Dienstleistungen ambulantisierten und im Laufe der Jahre zunächst eine Tagespflege und sodann einen ambulanten Pflegedienst mit angeschlossenem Essen-auf-Rädern-Service gründeten. Die Politik verlieh dann diesem hehren Prinzip mit der Zeit immer mehr Anreiz, erfand, dem allgemeinen Zeitgeist und den Einflüsterungen bestimmter Interessengruppen folgend, sukzessive immer mehr Leistungen für ambulant Pflegebedürftige, bis eines der ursprünglichen Ziele, der wirtschaftliche Umgang mit Sozialversicherungsgeldern, sich komplett in das Gegenteil verkehrte, da der Leistungsanspruch, den ein pflegebedürftiger Mensch in der eigenen Häuslichkeit gegenüber Pflege- und Krankenkassen mittlerweile gesetzlich eingeräumt bekommen hat, den Leistungsanspruch eines Heimbewohners bei weitem übersteigt. So hat ein ambulant Pflegebedürftiger der Pflegestufe II nach dem Inkrafttreten des PNG theoretisch Anspruch auf eine monatliche Leistung der Pflegekasse von insgesamt 2.404,17 Euro (Inklusive Tagespflege (§ 41 SGB XI) und monatlicher Anteil Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI)). Natürlich werden bei weitem nicht alle in den Genuss der vollen Leistung kommen, da nicht alle Pflegebedürftigen einen „zusätzlichen Betreuungsbedarf“, also beispielsweise Demenz, entwickeln, oder mit mindestens zwei weiteren Pflegebedürftigen in einer Wohngruppe wohnen oder noch zusätzlich Tagespflege in Anspruch nehmen werden, dennoch übersteigt dieser Betrag die Leistungssumme, welcher ein stationär, also im Pflegeheim gepflegter Mensch mit der Pflegestufe II (inklusive § 45 SGB XI) maximal von der Pflegekasse monatlich erhalten kann um 1.025,17 Euro. Ebenso verhält es sich auch in den beiden anderen Pflegestufen, ein ambulant Pflegebedürftiger der Pflegestufe I kann maximal 403,17 Euro, ein ambulant Pflegebedürftiger der Pflegestufe III maximal 1.204,17 Euro mehr pro Monat von der Pflegeversicherung als ein Pflegebedürftiger der jeweils gleichen Stufe im Pflegeheim erhalten.</p>
<p>Und damit nicht genug, erhalten ambulant Pflegebedürftige noch zusätzliche Leistungen, zwar nicht mehr von der Pflege- aber doch von der Krankenkasse, da bestimmte Leistungen der Pflege, die sogenannte Behandlungspflege, welche im Pflegeheim wohl von den Kassen als auch von den Politikern als All-Inclusive-Leistung verstanden werden, in der eigenen Häuslichkeit oder im Betreuten Wohnen oder der Pflege-WG aber kostenpflichtig werden, sobald ein ambulanter Pflegedienst sie dort erbringt. Leistungen der Behandlungspflege können sein: die tägliche Medikamentengabe oder die tägliche Insulinspritze oder die täglichen Kompressionsverbände, eigentlich tägliche Routineleistungen aber alles Massnahmen, die nach ärztlicher Verordnung der Behandlung von Krankheiten dienen und deshalb auch von ambulanten Pflegediensten bei den Krankenkassen abgerechnet werden dürfen. Krankenkassen vergüten Behandlungspflege von Bundesland zu Bundesland und Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich. Derzeit zahlt beispielsweise die AOK Baden-Württemberg für eine Medikamentengabe durch einen ambulanten Pflegedienst 8,82 Euro, zwei Medikamentengaben am Tag kosten also 17,64 Euro, macht im Monat 532,25 Euro, Geld, das nochmal auf die ab dem 01.01.2013 ohnehin schon stattlichen Maximal-Beträge der Pflegekassen für ambulante Pflegebedürftigkeit von 1.526,17 Euro in der Pflegestufe I, 2.404,17 Euro in der Pflegestufe II und 2.854,17 Euro in der Pflegestufe III draufzuschagen ist.</p>
<p>Und damit immer noch nicht genug, denn pflegebedürftige Menschen in der eigenen Häuslichkeit wollen nicht nur die ganze Zeit gepflegt werden, sie wollen auch wohnen, essen, trinken, schlafen, sie wollen nicht frieren und betätigen sogar hin und wieder die Klospülung, das heisst, sie haben die Kosten zu tragen, die wir alle zu tragen haben, und die wir, wenn wir nicht das Sozialamt bemühen können, aus eigener Tasche zahlen müssen, und diese sind die Kosten für Miete oder Finanzierung, Haushalt, Heizung, Strom und Abwasser, um nur die wichtigsten zu nennen. Im Allgemeinen nennt man diese Kosten auch Lebenshaltungskosten, und diese Lebenshaltungskosten nimmt man selbstverständlich mit, wenn man, wie von dem Gesundheitsministerchen und dem Kuratorium Deutsche Altershilfe (behördendeutsche Abkürzung: KDA) gewünscht, aus der eigenen Häuslichkeit in eine „selbstorganisierte“ Demenz-WG zieht, die ja der eigentliche Adressat dieser wundersamen Pflegereform namens PNG ist. Lebenshaltungskosten in Demenz-WGs können ungefähr so hoch oder noch höher sein wie der privat zu zahlende Eigenanteil im stationären Pflegeheim, weshalb es jetzt und hier an der Zeit ist, eine vorläufige Bilanz zu ziehen, und sich vor dem geistigen Auge eine Demenz-WG vorzustellen, deren Bewohner auch Leistungen der Tagespflege in Anspruch nehmen, was ja nicht so ungewöhnlich wäre und die Phantasie deshalb nicht all zu arg strapaziert. Dann hätte ein Bewohner der Pflegestufe II und seine Kranken- bzw. Pflegekasse zusammen ab dem 01.01.2013 unter Umständen folgende Kosten zu tragen:</p>
<p>- 2.404,17 Euro Pflegesachleistung SGB XI<br />
- 500-1.000 Euro oder mehr Behandlungspflege SGB V je nach Bedürftigkeit<br />
- 1.000-1.300 Euro Eigenanteil (Miete, Strom, Haushaltskosten, etc.)</p>
<p>Macht summa summarum je nach Grad der Behandlungspflegebedürftigkeit und Höhe des Eigenanteils eine Summe zwischen 3.900 und 4.700 Euro monatlich. Das ist mitunter doppelt so teuer, wie das, was so manches Pflegeheim verlangt, und kann noch teurer werden, je nachdem, welche zusätzlichen Serviceleistungen noch in Anspruch genommen werden oder welchen behandlungspflegerischen Bedarf eine mangelhafte Grundpflege auszulösen vermag.</p>
<p>Was ist davon zu halten &#8211; oder anders gefragt: was ist dazu zu sagen?</p>
<p>Dazu ist zu sagen, dass wir die Förderung dieser neuen Pflege/Demenz-Wohngruppen ausdrücklich begrüssen. Sie sind ein wichtiges Alternativangebot zur pflegerischen Versorgung in der eigenen Häuslichkeit oder im Pflegeheim. Wir, das Haus Tanneck mit angeschlossener Tagespflege und die Landpflege, unser ambulanter Pflegedienst, haben deshalb unser Versorgungsangebot kritisch überprüft, denn hier und jetzt steht eine Neuorientierung an, die einzig und allein dem Wohle der „Nutzer“ dient, weshalb wir uns auch auf die Fahnen geschrieben haben, dass es bei einem ganzheitlichen Betreuungsanspruch in Wahrheit immer nur um Teilhabe im Sinne von Wahlfreiheit, Selbstbestimmung und Angebotsvielfalt statt um Funktionsversorgung gehen muss, weswegen nur so eine langfristige Eigenständigkeit und damit Lebensqualität für eine älter werdende Gesellschaft gewährleistet werden kann. Denn so blöd sind nämlich auch wir nicht, als dass wir nicht begriffen hätten, dass sich mittels dieser Pflegereform doppelt so viel Geld mit dem nur halben Aufwand abrechnen lässt.</p>
<p>Allerdings gibt es vor dem grossen Fressen noch eine Kleinigkeit zu beachten, denn bisher haben nur wenige Bundesländer auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für die gewünschten Demenz-WGs geschaffen, indem sie die Landesheimgesetze an die aus Berlin vorgegebenen Erfordernisse angepasst hätten. Baden-Württembergs Heimgesetz beispielsweise fordert noch eine strikte Trennung zwischen den Eignern der Immobilie, in welcher eine Demenz-WG installiert werden soll, und den Betreibern eines ambulanten Pflegedienstes oder einer Tagespflegestätte. Diese Unterscheidung nahm Stuttgart seinerzeit aus gutem Grund vor, wollte man doch verhindern, dass im ganzen Land Betreute Wohnanlagen oder Pflege-WGs entstehen, die immer nur von einem Pflegedienst betreut werden, und somit de facto stationäre Pflegeheime sind, welche die gesetzlichen Heimbau- und Heimpersonalbestimmungen unterlaufen und sich auch der staatlichen Aufsicht und Kontrolle durch die Heimaufsichten entziehen. Das Bundesland Berlin ist da schon einen Schritt weiter, sein relativ junges Landesheimgesetz, das sogenannte Wohnteilhabegesetz (behördendeutsche Abkürzung: WTG), erlaubt vieles, was im Ländle derzeit noch verboten ist. So ist es in der Bundeshauptstadt ohne weiteres möglich, dass ein Pflegedienstbetreiber seine Immobilie an einen gemeinnützigen Verein vermietet, dieser eine Demenz-WG installiert und sodann seinen Mietern den Pflegedienstbetreiber und Immobilienbesitzer zur Pflege und Betreuung wärmstens empfiehlt. In Berlin gibt es deshalb bereits circa 450 solcher WGs, deren Qualitätsspektrum von vorbildlich über armselig bis katastrophal reicht, da der Gesetzgeber es unterlassen hat, bestimmte Qualitätskriterien, wie beispielsweise barrierefreie Zimmer und Bäder, einen verbindlichen Personalschlüssel oder eine strikte Fachkraftpräsenzquote festzuzurren, weshalb derzeit eigentlich fast alles erlaubt ist. Pflege bleibt aber Pflege, und natürlich ist es vollkommen egal, wo ein Bett steht, ob in der Demenz-WG oder im Pflegeheim, Pflege ist Handarbeit und Handarbeit kostet Geld, das sich so mancher Pflegeheim- und/oder Pflegedienstbetreiber sehr gerne spart &#8211; zumal in einem komplett deregulierten System, wie das der Demenz-WGs. Die Landesministerien, die jetzt unter Zugzwang stehen, ihre Landesheimgesetze anzupassen, verweisen gerne darauf, dass ja die zukünftigen WG-Bewohner weniger schutzbedürftig seien als Heimbewohner und ausserdem der Medizinische Dienst der Krankenkassen (behördendeutsche Abkürzung: MDK) die ambulanten Pflegedienste regelmässig überprüfen würde. Dem ist entgegen zu halten, dass die Unzulänglichkeit der MDK-Prüfungen an dieser Stelle schon öfters diskutiert worden ist, und dass der vornehmliche Grund fast jeder Heimaufnahme nun einmal die Demenz ist, was sich auch in den WGs nicht anders verhalten wird, und die Demenz, das stand hier auch schon öfters zu lesen, ein Prozess ist, was wiederum zwangsläufig zur Folge hat, dass aus anfänglich weniger schutzbedürftigen Bewohnern mal schneller, mal langsamer äusserst schutzbedürftige Bewohner werden. Wie also wollen die staatlichen Heimaufsichten die WGs, in die seine Exzellenz der Herr Bundesgesundheitsminister so viel Geld buttert, kontrollieren? Das Berliner WTG beispielsweise sieht diesbezüglich zwar vor, dass die Pflegedienste den Heimaufsichten zu melden haben, sobald sie in einer WG pflegerisch tätig werden, viele Interventionsmöglichkeiten haben die Berliner Heimaufsichten aber nicht. Sie können keine regelmässigen, sondern nur anlassbezogene Überprüfungen durchführen, wobei „anlassbezogen“ heisst, dass sie von Pflegemängeln in der WG Kenntnis erlangt haben müssen, und wenn auch schleierhaft bleibt, wie sie diese Kenntnis aus einer von nur einem Pflegedienst hermetisch betreuten Anlage erlangen sollen, sind sie ausserdem noch darauf angewiesen, dass der „anlassbezogene Bewohner“ der WG ihnen auch den Zutritt in dessen Wohnung erlaubt. Denn das ist ja gerade der Knackpunkt des ganzen Systems, damit aus einem normalen Heimbewohner ein doppelt so „wertvoller“ WG-Bewohner wird, muss er in seiner eigenen Häuslichkeit, in seiner eigenen Wohnung gepflegt werden. Und die Unverletzlichkeit der Wohnung wird durch das Grundgesetz garantiert.</p>
<p>Die Landesministerien werden bei der Neuformulierung ihrer Landesheimgesetze also einige juristische Kopfstände vollführen müssen, wenn sie überhaupt ein Interesse daran haben, Menschen mit Demenz auch in dieser „neuen“ Wohn- und Betreuungsform einen ausreichenden gesetzlichen Schutz einzuräumen, andernfalls legen sie nämlich Wohl und Wehe dieser Menschen grösstenteils in die Hände der Pflegedienstbetreiber. Es ist ja schön, wenn die Ministerien vorgeblich und einige Traumtänzer aus dem KDA vielleicht sogar tatsächlich so ein positives Menschenbild haben, und den Pflegedienstbetreibern nur das Beste unterstellen. Die Erfahrung lehrt aber etwas anderes, weshalb nicht nur zu befürchten, sondern es vielmehr als sehr wahrscheinlich zu erachten ist, dass ab dem 01.01.2013 sehr viel Sozialversicherungsgeld zur Finanzierung ziemlich dürftiger Pflege aufgewendet wird.</p>
<p>Die oben stehende Ankündigung aber, dass wir uns im Bereich der Betreuten Wohnformen und auch der Pflege/Demenz-WGs engagieren werden, war durchaus ernst gemeint. Diese Wohnformen können zwar bei weitem nicht die Betreuungsqualität eines vollversorgenden Heimbetriebs abbilden, aber schlussendlich entscheiden nicht wir, was die individuell beste Betreuungsform ist &#8211; sondern der Kunde. Und im Verbund mit stationären, teilstationären und ambulanten Dienstleistungen kann die Pflege und Betreuung von Menschen mit leichter Demenz in einer WG eine durchaus sichere, sinnvolle und gewünschte Alternative sein.</p>
<p>Sollte also die baden-württembergische Sozialministerin ausser Sonntagsreden („Die Demenz wird mitten unter uns sein.“) endlich einmal einen Tätigkeitsnachweis erbringen und wie angekündigt im Oktober ein neues Landesheimgesetz präsentieren, könnten wir Anfang nächsten Jahres bereits startklar sein. <a href="http://www.freiburger-modell.de/partner/labyrinthhirschen.php" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">Alte, leerstehende Bauernhäuser und Gasthöfe</span></a> gibt es in unserem, von der Landflucht gezeichneten Landkreis nämlich genug.</p>
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